Email share button

Wanderland

Fotogalerie

1. Tag
2. Tag
2. Tag
3. Tag
3. Tag
3_Gotthardpass
3. Tag
4. Tag
4. Tag
5. Tag
6. Tag
6. Tag
6. Tag
7. Tag
7. Tag
7. Tag
8. Tag
8. Tag
8. Tag

Dieser Reisebericht liegt an:

Trans Swiss Trail route-02
Trans Swiss Trail
Porrentruy–Mendrisio
Zur Route
Über den Gotthard
Von Amsteg nach Bellinzona

Über den Gotthard Von Amsteg nach Bellinzona

Wir sitzen beim Frühstück, geniessen den dünnen Morgenkaffee, vor allem aber das schöne Ambiente des historischen Hotels Stern&Post, das uns bereits auf das Thema unserer Wanderung über den Gotthard nach Bellinzona einstimmt: die Verkehrswege über den wichtigsten Alpenpass.
1. Tag: Amsteg–Göschenen

Wir sind schon am Vorabend nach Amsteg angereist und sitzen nun beim Frühstück, geniessen den dünnen Morgenkaffee, vor allem aber das schöne Ambiente des historischen Hotels Stern&Post, das uns bereits auf das Thema unserer Wanderung auf dem Trans Swiss Trail über den Gotthard nach Bellinzona einstimmt: die Verkehrswege über den wichtigsten Alpenpass.
Ab Amsteg beginnt die Steigung z'grächtem. Wir lassen uns Zeit zum Schauen, betrachten die Bauten der dicht gedrängten Verkehrswege. Wanderweg, Strasse, Autobahn, Bahn, alle zwängen sich durch das enge Tal. Zur Bahn gibt es entlang des Weges immer wieder Schautafeln mit interessanten Details zu einzelnen Bauwerken. Für die Strassen- oder Autobahnbauten fehlen solche Informationen (noch?). Es wäre beispielsweise interessant, mehr über die aus Stahlseil geflochtenen Steinschlagsicherungen für die Autobahn zu erfahren.

Auch der Wanderweg ist teilweise spektakulär. Der Weg unterquert einen Sturzbach dank einem Tunnel (mit Lichtschalter!) und überspannt die rauschende Reuss unterhalb von Gurtnellen mit einer beeindruckenden Hängebrücke. Dazwischen treffen wir am Wegrand in einem kleinen Weiler einen Stuhl, darauf eine Holzschachtel mit kleinen Bergkristallen und eine leere Kartonkasse. Wer hier nicht weich wird, hat kein Herz.

Kurz vor Göschenen steht fröhlich winkend ein automatischer Urner auf der Autobahn und schürt die Vorfreude der Reisenden auf den berühmten Gotthardstau. Ein Ferienvergnügen, an dem wir Wanderer nur passiv teilhaben können.
2. Tag: Göschenen–Andermatt

Heute steht nur die Schöllenenschlucht bis Andermatt auf dem Programm. Eine eindrückliche aber kurze Wanderung. Es ist die Etappe, auf der man dem motorisierten Reiseverkehr am nächsten ist und damit auch den Veloreisenden, die auf der 3 Nord–Süd-Route von Veloland ebenfalls über den Gotthard wollen. Wie sie Serpentine um Serpentine zusammen mit dem motorisierten Reiseverkehrs bewältigen, erinnert an eine grosse Parade zu Ehren dieses berühmten Passes. Der schönste Soundtrack steuert Harley Davidson bei. Er würde auch dem betrogenen Teufel gefallen, der sich unter Deck immer noch mit seiner Ziegenbockseele herumärgert, anstelle Er sich kein zweites Mal hätte hereinlegen lassen. Dann stände die Schwindel erregende Teufelsbrücke womöglich heute noch einsam im Fels. Vielleicht hat er aber auch gemerkt, dass er dank den schamlos in den Berg getrieben Verkehrswegen mehr Seelen bewirtschaften kann als zu den einsamen Säumerzeiten. Auch der Teufel muss heutzutage rechnen.

Aus dem lauten Treiben führt schliesslich eine kleine Wendeltreppe ins stille Urserental. Ein Wunder. Noch wenige Schritte und wir sind in Andermatt. Fazit des heutigen Tages: Wer die Schöllenenschlucht nicht durchwandert hat, begreift den Gotthard nicht (und hat das Wunder verpasst).
3. Tag: Andermatt–Passo del S. Gottardo

Entlang der Gotthardreuss geht es zum Höhepunkt unserer Wanderung. Als uns in Hospental eine vierspännige alte Postkutsche überholt, merken wir, dass es noch gemütlichere Wege als unseren gäbe, den Gotthard zu bezwingen (von Juli–September, siehe www.gotthardpost.ch).

Wir bleiben jedoch mit unserem Weg zufrieden und steigen Stufe um Stufe auf teilweise noch sichtbaren historischen Wegen höher.

Auf halber Höhe steht freundlicherweise ein Restaurant. Zwei gemütliche Radfahrer verpflegen sich mit Bier und ein deutsches Pärchen erkundigt sich bei ihnen, was denn ein «Gnagi» sei. Er bestellt dann doch Schweinswürstchen, Sie schaut zu und achtet auf die Linie. Wir begutachten unterdessen das unterschiedliche Können der Töff-Fahrer in den Strassenkehren. Dabei wird uns aber verglichen mit dem gestrigen Tag schon fast langweilig, denn der Gotthard muss sich den Schöllenenverkehr mit dem Oberalp und dem Furka teilen.

Nach dieser friedlichen Rast stehen wir schon bald vor einer modernen Wegkapelle, dem Atemloch des Autobahntunnels. Tief in den Adern des Bergs fliesst der Verkehr, kein Husten ist zu hören. Auch das eine beeindruckende Leistung der Ingenieure, da wirken die paar Pflastersteine des historischen Weges schon fast ärmlich. Auch wir schreiten fort und erreichen über die letzte Geländestufe den Gotthard. Ein Rummelplatz. Alle sind hier oben Sieger, mit welchem Verkehrsmittel sie auch immer den Gotthard bezwungen haben. Zum Beweis dieser Siegesserie klicken die Kameras und die Unverschämteren hinterlassen auf dem Passschild noch einen Kleber ihres Auto-, Töff- oder Veloclubs. Aber Ordnung muss sein, San Gottardo, 2091m bleiben unverklebt.
4. Tag: Passo del S. Gottardo–Airolo

Schon früh stehen die ersten Velofahrer oben auf dem Pass und ziehen sich für die Fahrt ins Tal wärmer an. Wir haben es nicht so eilig und schon 50 Höhenmeter unterhalb des Passes müssen wir unsere Jacken ausziehen. Wir sind den Passwinden entkommen und im Süden. Genüsslich verschmähen wir den signalisierten Wanderweg, der fast senkrecht ins Tal stürzt und folgen der alten, gepflästerten Passstrasse, der Tremola. Ein Strassenbaumonument, dafür darf man sich die Zeit nehmen. So früh am Morgen ist sie fast nur von Velofahrern bevölkert, und das nicht zu knapp. Nicht wenige haben ihr ganzes Reisegepäck mit dabei, eine freundliche Dame kommt uns sogar auf ihrem Schwanenhalsvelo entgegen. Immer den Blick nach oben, zur nächsten Kehre. Aber wer es bis in die Tremolaschlucht geschafft hat, schafft es auch bis oben.

Wir jedenfalls werden nur vom Zusehen müde, oder vom Sitzen auf einem Poller und Landschaft betrachten. So spazieren wir Kehre um Kehre talwärts. Erst Ausgangs der Tremolaschlucht nutzen wir wieder den Wanderweg, der nun endgültig nach Airolo in die Wärme hinunter stägeret. Natürlich sind wir schon viel zu früh unten und erholen uns davon ausgiebig mit Herumsitzen und Abends bei einer ersten Pizza und Merlot.
5. Tag: Airolo–Osco

Fertig lustig, heute gilt es gemäss dem Führer zum Trans Swiss Trail 6 Stunden zu wandern, und das nicht übel rauf und runter. Zwar wandern wir nun auf einem Wegabschnitt mit Namen «Strada alta», aber das heisst nur, dass das Rauf und Runter hoch über der Talsohle stattfindet. Zum Glück gibt es einige Abschnitte auf Fahrsträsschen und man kann beim Gehen und ohne auf den Weg zu achten das Panorama geniessen. Vor Altanco schauen wir dem fragilen Ritom-Bähnchen zu, das von einem dünnen Seil gehalten auf zwei unglaublich steilen Schienchen in die Tiefe balanciert. Eine faszinierende Konstruktion, mit der wir auch ein Teil der heutigen Höhenmeter hätten umfahren können.

Auf der anderen Talseite klopft ein Helikopter in der Luft und fliegt stundenlang Baumstämme aus einer steilen Wand, wo immer noch die Motorsägen der Waldarbeiter kreischen. Im Vergleich zur Arbeit dieser Waldarbeiter ist Wandern echt ein Kinderspiel. Auch auf dem ehemaligen Militärflugplatz von Piotta ist einiges los. Aus ungewohnter Optik (von oben) bewundern wir mit dem Feldstecher die Seilwindenstarts der Segelflieger und sehen, wie diese in erstaunlicher Geschwindigkeit in der Thermik an den Hängen an Höhe gewinnen. Im Vergleich mit den Raubvögeln, die mit wenigen Kreisen schon fast unseren Optik bewehrten Augen entschwunden sind, bleiben sie jedoch lahme Enten. Als wir endlich unseren Panorama-Picknickplatz verlassen wollen, kommt sogar noch ein Heli mit gegenläufigen Rotoren geflogen. Zum Glück haben wir unseren kleinen Feldstecher dabei, so entgeht uns keiner dieser Leckerbissen.
6. Tag: Osco–Anzonico

Eingeschlafen sind wir Gestern beim Klang von mehrstimmig gesungenen Tessinerliedern die aus der Gaststube heraufgeklungen haben. Es ist Sonntag. Beim Frühstück ist die Gaststube voller Wanderer, die wie wir auf der Strada alta beziehungsweise dem 2 Trans Swiss Trail unterwegs sind.
Den Sonntag widmen wir der Betrachtung der zahlreichen kleinen Kapellen oder Stationen entlang des Weges, mal ist es auch nur ein glasgerahmtes Bild von Christus unter einem Felsen, das so ausgebleicht ist, dass es an ein Leichentuch gemahnt. Offensichtlich muss es zu früheren Zeiten zahlreiche Gründe gegeben haben, um Maria und ihrem Sohn zu gedenken. Vielleicht half es auch nur gegen störrische Säumertiere, zumindest brachte es den wohl lokalen Künstlern etwas Brot, so hoffen wir jedenfalls. Diese künstlern auch heute noch bei diesen Gedenkstätten, wie damals mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Die schönste alte und etwas blutige Darstellung fanden wir versteckt unter einer Blache in einer zerfallenden kleinen Kapelle bei einer alten Mühle vor Tengia. Der ehemalige Mühlenbesitzer muss einen etwas besseren Geschmack besessen haben als die anderen Anwohner der Strada alta und mehr Geld um einen bessern Maler beauftragen zu können. Den Zerfall seines Gewerbes und der Kapelle konnte dies aber nicht aufhalten. So sehen wir ein letztes schönes hölzernes Zahnrad aus seiner Mühle heute an der Hauswand drapiert.

Den Abend verbringen wir in der Osteria Anzonico, einem sehr sympathischen kleinen Etablissement mit ausgezeichneter Küche. Die Gnocchi an Salbei und das gebratene Kaninchen sind ein Genuss und das abschliessende Parfait perfekt. Ein Ort zum Ausspannen, den man sich merken darf.
7. Tag: Anzonico–Biasca

Heute geht es 1'250 m hinunter. Wie immer in den Bergen, muss man dazu zuerst noch ein paar Höhenmeter Anlauf nehmen, aber nicht weiter schlimm. Da ist das schlussendliche Runter nach Pollegio schon von andern Eltern. Wenn man daran denkt, dass Wege wie diese auch jährlich unterhalten werden müssen, bricht einem schon beim daran denken der Schweiss aus allen Poren. Ein dickes Lob an die Wanderorganisationen, auch wenn mal ein luftiges Geländer eher der Beruhigung der zittrigen Knie dient als wirklichen Halt zu geben. An wenigen Stellen schadet deshalb etwas Trittsicherheit nicht und man sollte auch das Runterblicken ertragen können. Jedenfalls erleben wir die Steilheit der Flanken des Tals hautnah. Den Gämsen gefällts, wir können sie riechen, doch sehen tun wir sie nicht, so leise wir auch um die Ecken des felsigen Geländes pirschen. Dafür treffen wir auf der wahnsinnig im Fels angelegten Treppe auf Ziegen. Dank dieser gut gesicherten Treppe können die letzten 100 Meter hinunter nach Pollegio überhaupt überwunden werden. Nachdem die Ziegen sicher waren, dass wir sie nur hinter den Ohren kraulen und nicht fressen, begleiten sie uns auf der Treppe talwärts und schubsen uns dabei beförderlich in die Kniekehlen. So kommen wir rasch zu Tal, auch wenn die Knie schon etwas schlottern.
Das letzte Stück nach Biasca ist verglichen mit dem heute erlebten wenig attraktiv, es führt flach und teilweise dem Ticino entlang und hat den Vorteil, dass man sich den Abstieg aus den Knien schütteln kann. Wer dies nicht braucht oder will, kann den Bus nehmen und die Zeit bis zu seiner Abfahrt in der Dorfbeiz bei einem Aperitif versäumen.
8. Tag: Biasca–Bellinzona

Eigentlich sollte in Biasca Schluss sein mit Wandern, doch dann hat es uns spontan gereizt, bis Bellinzona zu verlängern. Eine absolut flache Wanderung entlang des Ticino. Hier gibt es kein spektakuläres Panorama zu sehen, aber wer Geist und Augen darauf ausrichtet, wird mit einer reichen Beute an Eidechsen, Schmetterlingen und Blumen belohnt. Auch schweift Aug und Ohr immer mal wieder zu den Steinbrüchen, wo mit Bohrgestängen das Heraussprengen gewaltiger Marmorquader vorbereitet wird.

Eingeklemmt zwischen den Häusern und dem Ticino verbellt uns in der Hitze des Talbodens bei Osogna ein wütender Schäferhund von einer Dachterrasse herunter. Der Krach alarmiert ein alte Dame, die uns zum Trost in ihren Garten bittet, auf dass wir alle ihre grossen, reifen Himbeeren essen würden, da sie diese nicht mag. Bereits von den vielen Himbeeren gesättigt, bietet sie uns auch noch ihren Pflaumenbaum zum leeren an.

Die letzten Kilometer ziehen sich, obwohl wir diese Grenzbereiche zwischen Natur und Industrie, wie wir sie vor Bellinzona antreffen, lieben. So sind wir froh, Eingangs von Bellinzona auf den Bus umsteigen zu können. Es war auch ohne diese letzten anderthalb Kilometer durch die Wohnzone Bellinzonas eine erlebnisreiche Wanderung.

Tipp:
Wer sich diese Wanderung maximal einfach machen will, kann sie bei SwissTrails buchen und dabei vom Gepäcktransport zwischen den Hotels profitieren. Wir haben dies getan und waren sehr zufrieden. Es hat alles geklappt.
Wir sitzen beim Frühstück, geniessen den dünnen Morgenkaffee, vor allem aber das schöne Ambiente des historischen Hotels Stern&Post, das uns bereits auf das Thema unserer Wanderung über den Gotthard nach Bellinzona einstimmt: die Verkehrswege über den wichtigsten Alpenpass.
1. Tag: Amsteg–Göschenen

Wir sind schon am Vorabend nach Amsteg angereist und sitzen nun beim Frühstück, geniessen den dünnen Morgenkaffee, vor allem aber das schöne Ambiente des historischen Hotels Stern&Post, das uns bereits auf das Thema unserer Wanderung auf dem Trans Swiss Trail über den Gotthard nach Bellinzona einstimmt: die Verkehrswege über den wichtigsten Alpenpass.
Ab Amsteg beginnt die Steigung z'grächtem. Wir lassen uns Zeit zum Schauen, betrachten die Bauten der dicht gedrängten Verkehrswege. Wanderweg, Strasse, Autobahn, Bahn, alle zwängen sich durch das enge Tal. Zur Bahn gibt es entlang des Weges immer wieder Schautafeln mit interessanten Details zu einzelnen Bauwerken. Für die Strassen- oder Autobahnbauten fehlen solche Informationen (noch?). Es wäre beispielsweise interessant, mehr über die aus Stahlseil geflochtenen Steinschlagsicherungen für die Autobahn zu erfahren.

Auch der Wanderweg ist teilweise spektakulär. Der Weg unterquert einen Sturzbach dank einem Tunnel (mit Lichtschalter!) und überspannt die rauschende Reuss unterhalb von Gurtnellen mit einer beeindruckenden Hängebrücke. Dazwischen treffen wir am Wegrand in einem kleinen Weiler einen Stuhl, darauf eine Holzschachtel mit kleinen Bergkristallen und eine leere Kartonkasse. Wer hier nicht weich wird, hat kein Herz.

Kurz vor Göschenen steht fröhlich winkend ein automatischer Urner auf der Autobahn und schürt die Vorfreude der Reisenden auf den berühmten Gotthardstau. Ein Ferienvergnügen, an dem wir Wanderer nur passiv teilhaben können.
2. Tag: Göschenen–Andermatt

Heute steht nur die Schöllenenschlucht bis Andermatt auf dem Programm. Eine eindrückliche aber kurze Wanderung. Es ist die Etappe, auf der man dem motorisierten Reiseverkehr am nächsten ist und damit auch den Veloreisenden, die auf der 3 Nord–Süd-Route von Veloland ebenfalls über den Gotthard wollen. Wie sie Serpentine um Serpentine zusammen mit dem motorisierten Reiseverkehrs bewältigen, erinnert an eine grosse Parade zu Ehren dieses berühmten Passes. Der schönste Soundtrack steuert Harley Davidson bei. Er würde auch dem betrogenen Teufel gefallen, der sich unter Deck immer noch mit seiner Ziegenbockseele herumärgert, anstelle Er sich kein zweites Mal hätte hereinlegen lassen. Dann stände die Schwindel erregende Teufelsbrücke womöglich heute noch einsam im Fels. Vielleicht hat er aber auch gemerkt, dass er dank den schamlos in den Berg getrieben Verkehrswegen mehr Seelen bewirtschaften kann als zu den einsamen Säumerzeiten. Auch der Teufel muss heutzutage rechnen.

Aus dem lauten Treiben führt schliesslich eine kleine Wendeltreppe ins stille Urserental. Ein Wunder. Noch wenige Schritte und wir sind in Andermatt. Fazit des heutigen Tages: Wer die Schöllenenschlucht nicht durchwandert hat, begreift den Gotthard nicht (und hat das Wunder verpasst).
3. Tag: Andermatt–Passo del S. Gottardo

Entlang der Gotthardreuss geht es zum Höhepunkt unserer Wanderung. Als uns in Hospental eine vierspännige alte Postkutsche überholt, merken wir, dass es noch gemütlichere Wege als unseren gäbe, den Gotthard zu bezwingen (von Juli–September, siehe www.gotthardpost.ch).

Wir bleiben jedoch mit unserem Weg zufrieden und steigen Stufe um Stufe auf teilweise noch sichtbaren historischen Wegen höher.

Auf halber Höhe steht freundlicherweise ein Restaurant. Zwei gemütliche Radfahrer verpflegen sich mit Bier und ein deutsches Pärchen erkundigt sich bei ihnen, was denn ein «Gnagi» sei. Er bestellt dann doch Schweinswürstchen, Sie schaut zu und achtet auf die Linie. Wir begutachten unterdessen das unterschiedliche Können der Töff-Fahrer in den Strassenkehren. Dabei wird uns aber verglichen mit dem gestrigen Tag schon fast langweilig, denn der Gotthard muss sich den Schöllenenverkehr mit dem Oberalp und dem Furka teilen.

Nach dieser friedlichen Rast stehen wir schon bald vor einer modernen Wegkapelle, dem Atemloch des Autobahntunnels. Tief in den Adern des Bergs fliesst der Verkehr, kein Husten ist zu hören. Auch das eine beeindruckende Leistung der Ingenieure, da wirken die paar Pflastersteine des historischen Weges schon fast ärmlich. Auch wir schreiten fort und erreichen über die letzte Geländestufe den Gotthard. Ein Rummelplatz. Alle sind hier oben Sieger, mit welchem Verkehrsmittel sie auch immer den Gotthard bezwungen haben. Zum Beweis dieser Siegesserie klicken die Kameras und die Unverschämteren hinterlassen auf dem Passschild noch einen Kleber ihres Auto-, Töff- oder Veloclubs. Aber Ordnung muss sein, San Gottardo, 2091m bleiben unverklebt.
4. Tag: Passo del S. Gottardo–Airolo

Schon früh stehen die ersten Velofahrer oben auf dem Pass und ziehen sich für die Fahrt ins Tal wärmer an. Wir haben es nicht so eilig und schon 50 Höhenmeter unterhalb des Passes müssen wir unsere Jacken ausziehen. Wir sind den Passwinden entkommen und im Süden. Genüsslich verschmähen wir den signalisierten Wanderweg, der fast senkrecht ins Tal stürzt und folgen der alten, gepflästerten Passstrasse, der Tremola. Ein Strassenbaumonument, dafür darf man sich die Zeit nehmen. So früh am Morgen ist sie fast nur von Velofahrern bevölkert, und das nicht zu knapp. Nicht wenige haben ihr ganzes Reisegepäck mit dabei, eine freundliche Dame kommt uns sogar auf ihrem Schwanenhalsvelo entgegen. Immer den Blick nach oben, zur nächsten Kehre. Aber wer es bis in die Tremolaschlucht geschafft hat, schafft es auch bis oben.

Wir jedenfalls werden nur vom Zusehen müde, oder vom Sitzen auf einem Poller und Landschaft betrachten. So spazieren wir Kehre um Kehre talwärts. Erst Ausgangs der Tremolaschlucht nutzen wir wieder den Wanderweg, der nun endgültig nach Airolo in die Wärme hinunter stägeret. Natürlich sind wir schon viel zu früh unten und erholen uns davon ausgiebig mit Herumsitzen und Abends bei einer ersten Pizza und Merlot.
5. Tag: Airolo–Osco

Fertig lustig, heute gilt es gemäss dem Führer zum Trans Swiss Trail 6 Stunden zu wandern, und das nicht übel rauf und runter. Zwar wandern wir nun auf einem Wegabschnitt mit Namen «Strada alta», aber das heisst nur, dass das Rauf und Runter hoch über der Talsohle stattfindet. Zum Glück gibt es einige Abschnitte auf Fahrsträsschen und man kann beim Gehen und ohne auf den Weg zu achten das Panorama geniessen. Vor Altanco schauen wir dem fragilen Ritom-Bähnchen zu, das von einem dünnen Seil gehalten auf zwei unglaublich steilen Schienchen in die Tiefe balanciert. Eine faszinierende Konstruktion, mit der wir auch ein Teil der heutigen Höhenmeter hätten umfahren können.

Auf der anderen Talseite klopft ein Helikopter in der Luft und fliegt stundenlang Baumstämme aus einer steilen Wand, wo immer noch die Motorsägen der Waldarbeiter kreischen. Im Vergleich zur Arbeit dieser Waldarbeiter ist Wandern echt ein Kinderspiel. Auch auf dem ehemaligen Militärflugplatz von Piotta ist einiges los. Aus ungewohnter Optik (von oben) bewundern wir mit dem Feldstecher die Seilwindenstarts der Segelflieger und sehen, wie diese in erstaunlicher Geschwindigkeit in der Thermik an den Hängen an Höhe gewinnen. Im Vergleich mit den Raubvögeln, die mit wenigen Kreisen schon fast unseren Optik bewehrten Augen entschwunden sind, bleiben sie jedoch lahme Enten. Als wir endlich unseren Panorama-Picknickplatz verlassen wollen, kommt sogar noch ein Heli mit gegenläufigen Rotoren geflogen. Zum Glück haben wir unseren kleinen Feldstecher dabei, so entgeht uns keiner dieser Leckerbissen.
6. Tag: Osco–Anzonico

Eingeschlafen sind wir Gestern beim Klang von mehrstimmig gesungenen Tessinerliedern die aus der Gaststube heraufgeklungen haben. Es ist Sonntag. Beim Frühstück ist die Gaststube voller Wanderer, die wie wir auf der Strada alta beziehungsweise dem 2 Trans Swiss Trail unterwegs sind.
Den Sonntag widmen wir der Betrachtung der zahlreichen kleinen Kapellen oder Stationen entlang des Weges, mal ist es auch nur ein glasgerahmtes Bild von Christus unter einem Felsen, das so ausgebleicht ist, dass es an ein Leichentuch gemahnt. Offensichtlich muss es zu früheren Zeiten zahlreiche Gründe gegeben haben, um Maria und ihrem Sohn zu gedenken. Vielleicht half es auch nur gegen störrische Säumertiere, zumindest brachte es den wohl lokalen Künstlern etwas Brot, so hoffen wir jedenfalls. Diese künstlern auch heute noch bei diesen Gedenkstätten, wie damals mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Die schönste alte und etwas blutige Darstellung fanden wir versteckt unter einer Blache in einer zerfallenden kleinen Kapelle bei einer alten Mühle vor Tengia. Der ehemalige Mühlenbesitzer muss einen etwas besseren Geschmack besessen haben als die anderen Anwohner der Strada alta und mehr Geld um einen bessern Maler beauftragen zu können. Den Zerfall seines Gewerbes und der Kapelle konnte dies aber nicht aufhalten. So sehen wir ein letztes schönes hölzernes Zahnrad aus seiner Mühle heute an der Hauswand drapiert.

Den Abend verbringen wir in der Osteria Anzonico, einem sehr sympathischen kleinen Etablissement mit ausgezeichneter Küche. Die Gnocchi an Salbei und das gebratene Kaninchen sind ein Genuss und das abschliessende Parfait perfekt. Ein Ort zum Ausspannen, den man sich merken darf.
7. Tag: Anzonico–Biasca

Heute geht es 1'250 m hinunter. Wie immer in den Bergen, muss man dazu zuerst noch ein paar Höhenmeter Anlauf nehmen, aber nicht weiter schlimm. Da ist das schlussendliche Runter nach Pollegio schon von andern Eltern. Wenn man daran denkt, dass Wege wie diese auch jährlich unterhalten werden müssen, bricht einem schon beim daran denken der Schweiss aus allen Poren. Ein dickes Lob an die Wanderorganisationen, auch wenn mal ein luftiges Geländer eher der Beruhigung der zittrigen Knie dient als wirklichen Halt zu geben. An wenigen Stellen schadet deshalb etwas Trittsicherheit nicht und man sollte auch das Runterblicken ertragen können. Jedenfalls erleben wir die Steilheit der Flanken des Tals hautnah. Den Gämsen gefällts, wir können sie riechen, doch sehen tun wir sie nicht, so leise wir auch um die Ecken des felsigen Geländes pirschen. Dafür treffen wir auf der wahnsinnig im Fels angelegten Treppe auf Ziegen. Dank dieser gut gesicherten Treppe können die letzten 100 Meter hinunter nach Pollegio überhaupt überwunden werden. Nachdem die Ziegen sicher waren, dass wir sie nur hinter den Ohren kraulen und nicht fressen, begleiten sie uns auf der Treppe talwärts und schubsen uns dabei beförderlich in die Kniekehlen. So kommen wir rasch zu Tal, auch wenn die Knie schon etwas schlottern.
Das letzte Stück nach Biasca ist verglichen mit dem heute erlebten wenig attraktiv, es führt flach und teilweise dem Ticino entlang und hat den Vorteil, dass man sich den Abstieg aus den Knien schütteln kann. Wer dies nicht braucht oder will, kann den Bus nehmen und die Zeit bis zu seiner Abfahrt in der Dorfbeiz bei einem Aperitif versäumen.
8. Tag: Biasca–Bellinzona

Eigentlich sollte in Biasca Schluss sein mit Wandern, doch dann hat es uns spontan gereizt, bis Bellinzona zu verlängern. Eine absolut flache Wanderung entlang des Ticino. Hier gibt es kein spektakuläres Panorama zu sehen, aber wer Geist und Augen darauf ausrichtet, wird mit einer reichen Beute an Eidechsen, Schmetterlingen und Blumen belohnt. Auch schweift Aug und Ohr immer mal wieder zu den Steinbrüchen, wo mit Bohrgestängen das Heraussprengen gewaltiger Marmorquader vorbereitet wird.

Eingeklemmt zwischen den Häusern und dem Ticino verbellt uns in der Hitze des Talbodens bei Osogna ein wütender Schäferhund von einer Dachterrasse herunter. Der Krach alarmiert ein alte Dame, die uns zum Trost in ihren Garten bittet, auf dass wir alle ihre grossen, reifen Himbeeren essen würden, da sie diese nicht mag. Bereits von den vielen Himbeeren gesättigt, bietet sie uns auch noch ihren Pflaumenbaum zum leeren an.

Die letzten Kilometer ziehen sich, obwohl wir diese Grenzbereiche zwischen Natur und Industrie, wie wir sie vor Bellinzona antreffen, lieben. So sind wir froh, Eingangs von Bellinzona auf den Bus umsteigen zu können. Es war auch ohne diese letzten anderthalb Kilometer durch die Wohnzone Bellinzonas eine erlebnisreiche Wanderung.

Tipp:
Wer sich diese Wanderung maximal einfach machen will, kann sie bei SwissTrails buchen und dabei vom Gepäcktransport zwischen den Hotels profitieren. Wir haben dies getan und waren sehr zufrieden. Es hat alles geklappt.

Dieser Reisebericht liegt an:

Trans Swiss Trail route-02
Trans Swiss Trail
Porrentruy–Mendrisio
Zur Route