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Wanderland

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ViaJacobi
Rorschach- / Konstanz (D)–Genève (Grenze)
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Wandern auf dem Jakobsweg Teil 1

Wandern auf dem Jakobsweg Teil 1

Das Wort Wandern habe ich bewusst in der Überschrift gewählt, denn ein Pilger möchte ich erst noch werden. Der Weg ist das Ziel, heißt es beim Alpenverein. Der Pilger sagt: Der Weg hat ein Ziel – ein Leben lang!
Das Wort Wandern habe ich bewusst in der Überschrift gewählt, denn ein Pilger möchte ich erst noch werden. Der Weg ist das Ziel, heißt es beim Alpenverein. So habe ich alle meine Bergtouren verstanden. War die Tour zu Ende, sagte man: „Schade, es ist vorbei“ Der Pilger sagt: Der Weg hat ein Ziel – ein Leben lang! Es ist nie zu spät, auch wenn man so wie ich Jahrgang 39 ist.

Anfang September 2008 machte ich mich in Konstanz auf den „Schwabenweg“. Im Münster zu Konstanz hält eine alte Jakobusstatue Pilgerstäbe und Pilgertaschen bereit. In der heutigen Zeit trägt man Trekkingrucksäcke und Teleskopwanderstöcke und das bedeutet viel Gewicht - nicht nur auf dem Rücken, sondern auch innerlich!
1.Tag

Nach einem kleinen Altstadtbummel in Konstanz und einem Kurzbesuch im Hus-Museum lenkte ich meine Schritte in die Schweiz. Über sonnige Wiesen und durch schattige Wälder ging es auf gut beschildertem Weg in das hügelige Thurgau auf der Via Jacobi gen Süden. Mit der ersten Etappe von nur 15 km konnte ich einen kleinen „Gang“ einlegen und die Umwelt aufnehmen und mich über die schöne Landschaft erfreuen. Bald erreichte ich die St. Jakobskirche (14 Jh.) in Märstätten. In der Pilgerherberge wurde ich freundlich aufgenommen und mit dem Supermarkt gleich nebenan konnte ich mich gut selbst versorgen. So ließ ich den ersten Tag gemütlich in „meiner“ Herberge, ich war der einzigste Gast, ausklingen.
2.Tag

Bei strahlendem Sonnenschein folgte ich am frühen Morgen den Jakobsspuren. Meist führte der Weg über offenes Gelände mit weiter Sicht. 26 km wollten heute bewältigt werden. Mit einem strammen Tempo und kurzen Pausen kam ich gut voran. Der Wanderführer und die Wanderkarten (vom Internet heruntergeladen) von der Via Jacobi Nr.4 verschaffte mir immer einen guten Überblick. Natürlich blieb noch Zeit für die kleinen Kapellen in Kaltenbrunnen und St. Margarethen. Bei 25°C kam mir das Freibad in Münchwilen gerade für eine Abkühlung recht. Weiter der Murg folgend gelangte ich nach Fischingen zum Kloster und konnte dort Quartier nehmen. Auch hier werden Pilger gerne aufgenommen und die Verpflegung ist hervorragend. Leider war es für eine Klosterbesichtigung zu spät, diese holte ich am nächsten Tag nach. Nach dem Abendessen vertrieb ich mir in meiner „Schlafzelle“ mit reichlicher Lektüre über das Kloster den Abend.
3.Tag

Heute stand eine Herausforderung von 32 km und über 1000 Hm im Aufstieg an, deshalb war ich auch der Erste beim Frühstückbüfett. Es mangelte an nichts, das Früchtebrot vom Kloster Fischingen ist eine leckere Spezialität. Mit gut gefülltem Bauch hatte ich genug Energie getankt. Am Kirchlein St. Anna und am Bildstock der Heiligen Idda in Au vorbei folgte der Aufstieg zum Hörnli. So steil wie es aufwärts ging, senkte sich der Pfad auch wieder ins Tal nach Steg. Meine Wanderstöcke waren dabei eine große Stütze. Kaum unten angekommen, musste ich meinen Regenkleidung auspacken. Pilger haben zwar Zeit, doch sie wollen auch ans Ziel ankommen, was heute ganz besonders galt.

Endlich zeigte sich am Horizont der Zürichsee und ich tauchte in das Häusermeer von Rapperswil ein. Um 18 Uhr stand ich vor der Klosterpforte des Kapuzinerklosters. Doch oh Schreck, hier war zu lesen: Öffnungszeiten bis 17:30 Uhr, die Pforte ist geschlossen – wir sind beim Gebet und beim Essen! Was nun, du müder Pilger? Hatte mir der Klosterbruder Paul doch geschrieben: Reserviert wird nicht, aber Übernachtung ist möglich. Vom Torschluss 17:30 wusste ich nichts.

Da half mir die Jugendherberge aus, die ich gerade noch um 18:30 Uhr zum Abendessen erreichte. Mit meinen „Zimmerkollegen“, einem Engländer und einem Franzosen, fand ein reger Austausch statt. Trotzdem schlenderte ich am Abend noch zum Zürichsee und genoss die Stille am See.
4.Tag

Zum Glück standen heute nur 16 km auf der Etappe. Vom Marktplatz Rapperswil aus bummelte ich zum See und über den Holzsteg, dessen Geschichte bis 1500 v. Chr. zurückreicht. Beim Aufstieg (600 Hm am Stück) zum Etzelpass kam ich mit „Bruder“ Leo ins Gespräch und wir plauderten lange über das Pilgern, es war für mich sehr interessant. An der St. Meinradskapelle hatte ich die Höhe geschafft. Nach der „Tüfelsbrugg“ zog der Jakobsweg einen letzten Buckel hinauf und das weitläufige Kloster Einsiedeln lag zum Greifen nahe. Die Schweizer Bergwelt begrenzte den Horizont. Der erste Eindruck in der prachtvollen Klosterkirche und der Gnadenkapelle ist überwältigend, es zwingt förmlich zur Ruhe und zum Innehalten. An der Klosterpforte holte ich mir den Pilgerstempel ab und suchte mein Quartier im Schweizer Jugend- und Bildungszentrum in der Nähe auf, wo Pilger gerne gesehen werden. Essen und Übernachten kann man hier günstig. Später spazierte ich nochmals durch die Altstadt und zum Kloster Einsiedeln.
5.Tag

Wieder stand ich als Erster am reichlichen Frühstückbüfett. Hier möchte ich einmal das ausgiebige Schweizer Frühstück (immer mit Müsli) loben. Am Frauenkloster Au vorbei zog sich der Weg ins Tal dahin. Ein steiler Bergwanderweg zum Haggenegg hinauf trieb Schweiß auf die Stirne, wobei mir die beiden Pilger Felix und Bruno mit Unterhaltung die Zeit zum Pass verkürzten. Erdverbunden leben und himmelwärts schauen, fest verwurzelt und für alles offen sein, sagen die Pilger. Erdverbunden heißt für mich das Vesper aus dem Rucksack verzehren und dazu Wasser trinken.

Beim Abstieg ließ man die Pyramiden des Klein- und Groß-Mythen links liegen und gelangte nach Schwyz. Kaum schlenderte ich durch eine Gasse mit der Aufschrift: Gässli Fäscht, schon wurde ich gratis zum Käskuchen und Getränk eingeladen. Am malerischen Hauptplatz fragte ich eine Frau nach dem Gemälden am Rathaus und erlebte eine Schweizer „Geschichtsstunde“. Neugierig geworden streifte ich durch das Forum der Schweizer Geschichte und besuchte das Bundesbriefmuseum. Nach einer Wegstunde betrat ich in Brunnen das Strohlager beim Bauern. Außer mir übernachteten hier nur zwei Frauen. So hatten wir genügend Platz in der Scheune. Wir saßen gemeinsam am Tisch, tranken Wein, sangen Lieder („Im Chaltbad, da chert men i, trinkt es Tröpfli chüele Wy...“) und beschlossen den Abend mit Qi-Gong-Übungen. Als ich im Stroh lag, fiel mir der Pilgersatz ein: Wer wenig bedarf, kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen.
6.Tag

Trotz Regen legte ich noch einen Umweg ein und bestieg das Schiff in Brunnen zur Rütliwiese. Die Schweizer Geschichte hatte mich gefangen. Im Pavillon am Rütlihaus las ich die vielen Infotafeln in aller Ruhe, denn hier war ich vor dem Regen gut aufgehoben. Ein altes Dokument besagte: „Und wenn sie etwas tun oder vornehmen wollten, so fuhren sie nachts am Mythenstein vorbei an einen Ort, heisst im Rütli“. Oh, da war ich ja auch!

Trotzdem musste es weitergehen. Oberhalb von Treib betrat ich wieder die Via Jacobi Nr.4 und strebte aufwärts am Berghang entlang. Zum Pilger wird man wohl im Regen, wenn Nebel den Horizont eng macht und Regentropfen alle Ablenkungsmöglichkeiten davonspülen. Als Bergwanderer gefiel mir dieser schmale, ausgesetzte Bergwanderweg. Dann kam eine Weggabelung: Nach Beckenried 1½ oder 3 Stunden über Emmetten! Ich entschied mich für die kürzere Strecke. In Beckenried fand ich ein günstiges Privatquartier und im Gasthaus meine Lieblingsspeise: Spaghetti. Als Marathonläufer weiß ich, dass Nudelgerichte mit den Kohlehydraten ein hervorragender Energiespender sind. War es das Strohlager, der lange Weg oder die „feuchte“ Luft – ich schlief neun Stunden wie ein Murmeltier.
7.Tag

7 Uhr Frühstück und 8 Uhr Abmarsch bei Sonnenschein – die Welt war wieder in Ordnung! Dunkelblau leuchtete der Vierwaldstättersee zu mir hinauf, doch ich drehte ihm den Rücken zu und wanderte Land einwärts nach Süden. Ein Pilgerweg öffnet die Augen, man kann es erfahren. Mit jedem Schritt und Tag öffnete sich das „Bilderbuch“ Schweiz weiter für mich.

Nach Buochs und Stans ging es über grüne Wiesen und kleinen Kapellen auf dem Bruderklausenweg Flüeli-Ranft entgegen. Weil ich schon einmal mit dem Fahrrad hier war, steigerte sich für mich die Spannung, als ich die Einsiedelei erreichte. Mittlerweile begegnete ich oft Pilgern.

Der Bruderklausenweg senkte sich in die Schlucht nach Ranft zur untersten Kapelle hinunter. Nach ausgiebigem Betrachten und Besinnen stieg ich nach oben zur oberen Ranftkapelle mit der Wohnzelle vom Bruder Klaus. Im 15. Jh. ließ sich Nikolaus von Flüe hier als Einsiedler nieder und wurde zu allen Zeiten sehr verehrt, erst recht als er 1947 Heilig gesprochen wurde. In Flüeli gab es viele Touristen und mich trieb es talwärts zum Bauern (Strohlager). Dort traf ich „Pilgerin“ Natascha aus Brunnen wieder. Zum Abendessen musste ich nochmals nach Flüeli hinauf und erlebte einen Alphornbläser, der so richtig zum Alpenglühen der Felsen passte und über dem Bauernhof spannte sich später ein funkelnder Sternenhimmel. Jetzt fehlen mir die Wort für so viel Naturschönheit.
8.Tag

Bis Sachseln zum Zug war es nicht mehr weit und die Heimreise nach Karlsruhe begann. Doch Eines ist sicher, wenn Gott es zulässt, setze ich nächstes Jahr den „Camino“ fort. Bin ich nun gewandert oder gepilgert? Ein Pilger sucht! Uf wiederluagn und dankbar grüßt „Pilger“ Arno aus Karlsruhe

FORTSETZUNG FOLGT !
Das Wort Wandern habe ich bewusst in der Überschrift gewählt, denn ein Pilger möchte ich erst noch werden. Der Weg ist das Ziel, heißt es beim Alpenverein. Der Pilger sagt: Der Weg hat ein Ziel – ein Leben lang!
Das Wort Wandern habe ich bewusst in der Überschrift gewählt, denn ein Pilger möchte ich erst noch werden. Der Weg ist das Ziel, heißt es beim Alpenverein. So habe ich alle meine Bergtouren verstanden. War die Tour zu Ende, sagte man: „Schade, es ist vorbei“ Der Pilger sagt: Der Weg hat ein Ziel – ein Leben lang! Es ist nie zu spät, auch wenn man so wie ich Jahrgang 39 ist.

Anfang September 2008 machte ich mich in Konstanz auf den „Schwabenweg“. Im Münster zu Konstanz hält eine alte Jakobusstatue Pilgerstäbe und Pilgertaschen bereit. In der heutigen Zeit trägt man Trekkingrucksäcke und Teleskopwanderstöcke und das bedeutet viel Gewicht - nicht nur auf dem Rücken, sondern auch innerlich!
1.Tag

Nach einem kleinen Altstadtbummel in Konstanz und einem Kurzbesuch im Hus-Museum lenkte ich meine Schritte in die Schweiz. Über sonnige Wiesen und durch schattige Wälder ging es auf gut beschildertem Weg in das hügelige Thurgau auf der Via Jacobi gen Süden. Mit der ersten Etappe von nur 15 km konnte ich einen kleinen „Gang“ einlegen und die Umwelt aufnehmen und mich über die schöne Landschaft erfreuen. Bald erreichte ich die St. Jakobskirche (14 Jh.) in Märstätten. In der Pilgerherberge wurde ich freundlich aufgenommen und mit dem Supermarkt gleich nebenan konnte ich mich gut selbst versorgen. So ließ ich den ersten Tag gemütlich in „meiner“ Herberge, ich war der einzigste Gast, ausklingen.
2.Tag

Bei strahlendem Sonnenschein folgte ich am frühen Morgen den Jakobsspuren. Meist führte der Weg über offenes Gelände mit weiter Sicht. 26 km wollten heute bewältigt werden. Mit einem strammen Tempo und kurzen Pausen kam ich gut voran. Der Wanderführer und die Wanderkarten (vom Internet heruntergeladen) von der Via Jacobi Nr.4 verschaffte mir immer einen guten Überblick. Natürlich blieb noch Zeit für die kleinen Kapellen in Kaltenbrunnen und St. Margarethen. Bei 25°C kam mir das Freibad in Münchwilen gerade für eine Abkühlung recht. Weiter der Murg folgend gelangte ich nach Fischingen zum Kloster und konnte dort Quartier nehmen. Auch hier werden Pilger gerne aufgenommen und die Verpflegung ist hervorragend. Leider war es für eine Klosterbesichtigung zu spät, diese holte ich am nächsten Tag nach. Nach dem Abendessen vertrieb ich mir in meiner „Schlafzelle“ mit reichlicher Lektüre über das Kloster den Abend.
3.Tag

Heute stand eine Herausforderung von 32 km und über 1000 Hm im Aufstieg an, deshalb war ich auch der Erste beim Frühstückbüfett. Es mangelte an nichts, das Früchtebrot vom Kloster Fischingen ist eine leckere Spezialität. Mit gut gefülltem Bauch hatte ich genug Energie getankt. Am Kirchlein St. Anna und am Bildstock der Heiligen Idda in Au vorbei folgte der Aufstieg zum Hörnli. So steil wie es aufwärts ging, senkte sich der Pfad auch wieder ins Tal nach Steg. Meine Wanderstöcke waren dabei eine große Stütze. Kaum unten angekommen, musste ich meinen Regenkleidung auspacken. Pilger haben zwar Zeit, doch sie wollen auch ans Ziel ankommen, was heute ganz besonders galt.

Endlich zeigte sich am Horizont der Zürichsee und ich tauchte in das Häusermeer von Rapperswil ein. Um 18 Uhr stand ich vor der Klosterpforte des Kapuzinerklosters. Doch oh Schreck, hier war zu lesen: Öffnungszeiten bis 17:30 Uhr, die Pforte ist geschlossen – wir sind beim Gebet und beim Essen! Was nun, du müder Pilger? Hatte mir der Klosterbruder Paul doch geschrieben: Reserviert wird nicht, aber Übernachtung ist möglich. Vom Torschluss 17:30 wusste ich nichts.

Da half mir die Jugendherberge aus, die ich gerade noch um 18:30 Uhr zum Abendessen erreichte. Mit meinen „Zimmerkollegen“, einem Engländer und einem Franzosen, fand ein reger Austausch statt. Trotzdem schlenderte ich am Abend noch zum Zürichsee und genoss die Stille am See.
4.Tag

Zum Glück standen heute nur 16 km auf der Etappe. Vom Marktplatz Rapperswil aus bummelte ich zum See und über den Holzsteg, dessen Geschichte bis 1500 v. Chr. zurückreicht. Beim Aufstieg (600 Hm am Stück) zum Etzelpass kam ich mit „Bruder“ Leo ins Gespräch und wir plauderten lange über das Pilgern, es war für mich sehr interessant. An der St. Meinradskapelle hatte ich die Höhe geschafft. Nach der „Tüfelsbrugg“ zog der Jakobsweg einen letzten Buckel hinauf und das weitläufige Kloster Einsiedeln lag zum Greifen nahe. Die Schweizer Bergwelt begrenzte den Horizont. Der erste Eindruck in der prachtvollen Klosterkirche und der Gnadenkapelle ist überwältigend, es zwingt förmlich zur Ruhe und zum Innehalten. An der Klosterpforte holte ich mir den Pilgerstempel ab und suchte mein Quartier im Schweizer Jugend- und Bildungszentrum in der Nähe auf, wo Pilger gerne gesehen werden. Essen und Übernachten kann man hier günstig. Später spazierte ich nochmals durch die Altstadt und zum Kloster Einsiedeln.
5.Tag

Wieder stand ich als Erster am reichlichen Frühstückbüfett. Hier möchte ich einmal das ausgiebige Schweizer Frühstück (immer mit Müsli) loben. Am Frauenkloster Au vorbei zog sich der Weg ins Tal dahin. Ein steiler Bergwanderweg zum Haggenegg hinauf trieb Schweiß auf die Stirne, wobei mir die beiden Pilger Felix und Bruno mit Unterhaltung die Zeit zum Pass verkürzten. Erdverbunden leben und himmelwärts schauen, fest verwurzelt und für alles offen sein, sagen die Pilger. Erdverbunden heißt für mich das Vesper aus dem Rucksack verzehren und dazu Wasser trinken.

Beim Abstieg ließ man die Pyramiden des Klein- und Groß-Mythen links liegen und gelangte nach Schwyz. Kaum schlenderte ich durch eine Gasse mit der Aufschrift: Gässli Fäscht, schon wurde ich gratis zum Käskuchen und Getränk eingeladen. Am malerischen Hauptplatz fragte ich eine Frau nach dem Gemälden am Rathaus und erlebte eine Schweizer „Geschichtsstunde“. Neugierig geworden streifte ich durch das Forum der Schweizer Geschichte und besuchte das Bundesbriefmuseum. Nach einer Wegstunde betrat ich in Brunnen das Strohlager beim Bauern. Außer mir übernachteten hier nur zwei Frauen. So hatten wir genügend Platz in der Scheune. Wir saßen gemeinsam am Tisch, tranken Wein, sangen Lieder („Im Chaltbad, da chert men i, trinkt es Tröpfli chüele Wy...“) und beschlossen den Abend mit Qi-Gong-Übungen. Als ich im Stroh lag, fiel mir der Pilgersatz ein: Wer wenig bedarf, kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen.
6.Tag

Trotz Regen legte ich noch einen Umweg ein und bestieg das Schiff in Brunnen zur Rütliwiese. Die Schweizer Geschichte hatte mich gefangen. Im Pavillon am Rütlihaus las ich die vielen Infotafeln in aller Ruhe, denn hier war ich vor dem Regen gut aufgehoben. Ein altes Dokument besagte: „Und wenn sie etwas tun oder vornehmen wollten, so fuhren sie nachts am Mythenstein vorbei an einen Ort, heisst im Rütli“. Oh, da war ich ja auch!

Trotzdem musste es weitergehen. Oberhalb von Treib betrat ich wieder die Via Jacobi Nr.4 und strebte aufwärts am Berghang entlang. Zum Pilger wird man wohl im Regen, wenn Nebel den Horizont eng macht und Regentropfen alle Ablenkungsmöglichkeiten davonspülen. Als Bergwanderer gefiel mir dieser schmale, ausgesetzte Bergwanderweg. Dann kam eine Weggabelung: Nach Beckenried 1½ oder 3 Stunden über Emmetten! Ich entschied mich für die kürzere Strecke. In Beckenried fand ich ein günstiges Privatquartier und im Gasthaus meine Lieblingsspeise: Spaghetti. Als Marathonläufer weiß ich, dass Nudelgerichte mit den Kohlehydraten ein hervorragender Energiespender sind. War es das Strohlager, der lange Weg oder die „feuchte“ Luft – ich schlief neun Stunden wie ein Murmeltier.
7.Tag

7 Uhr Frühstück und 8 Uhr Abmarsch bei Sonnenschein – die Welt war wieder in Ordnung! Dunkelblau leuchtete der Vierwaldstättersee zu mir hinauf, doch ich drehte ihm den Rücken zu und wanderte Land einwärts nach Süden. Ein Pilgerweg öffnet die Augen, man kann es erfahren. Mit jedem Schritt und Tag öffnete sich das „Bilderbuch“ Schweiz weiter für mich.

Nach Buochs und Stans ging es über grüne Wiesen und kleinen Kapellen auf dem Bruderklausenweg Flüeli-Ranft entgegen. Weil ich schon einmal mit dem Fahrrad hier war, steigerte sich für mich die Spannung, als ich die Einsiedelei erreichte. Mittlerweile begegnete ich oft Pilgern.

Der Bruderklausenweg senkte sich in die Schlucht nach Ranft zur untersten Kapelle hinunter. Nach ausgiebigem Betrachten und Besinnen stieg ich nach oben zur oberen Ranftkapelle mit der Wohnzelle vom Bruder Klaus. Im 15. Jh. ließ sich Nikolaus von Flüe hier als Einsiedler nieder und wurde zu allen Zeiten sehr verehrt, erst recht als er 1947 Heilig gesprochen wurde. In Flüeli gab es viele Touristen und mich trieb es talwärts zum Bauern (Strohlager). Dort traf ich „Pilgerin“ Natascha aus Brunnen wieder. Zum Abendessen musste ich nochmals nach Flüeli hinauf und erlebte einen Alphornbläser, der so richtig zum Alpenglühen der Felsen passte und über dem Bauernhof spannte sich später ein funkelnder Sternenhimmel. Jetzt fehlen mir die Wort für so viel Naturschönheit.
8.Tag

Bis Sachseln zum Zug war es nicht mehr weit und die Heimreise nach Karlsruhe begann. Doch Eines ist sicher, wenn Gott es zulässt, setze ich nächstes Jahr den „Camino“ fort. Bin ich nun gewandert oder gepilgert? Ein Pilger sucht! Uf wiederluagn und dankbar grüßt „Pilger“ Arno aus Karlsruhe

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