Wanderland

Fotogalerie

Nach Schwyz
Die Suworow-Brücke
Bei wenig Wasser kann man untendurch
In Muotatal
Im Bödmerenwald
Aufstieg nach Plätsch
Staldenweg
Aufstieg zum Pragelpass
aufstiegpragel
Aufstieg zum Pragelpass
Wärmeliebende Pflanzen im schwarzen Gestein
Aufstieg zum Pragelpass
Aufstieg zur Pragelpasshöhe
Auf der Pragelpasshöhe
Abstieg nach Richisau
Richisau
Klöntalersee
Am Klöntalersee
Abstieg nach Glarus
ohne Worte ...

Dieser Reisebericht liegt an:

Pragelpass-Weg route-029
Pragelpass-Weg
Schwyz–Glarus
Zur Route
Zu Fuss über den Pragelpass

Zu Fuss über den Pragelpass

Wir stehen auf dem Bahnhof von Schwyz und erinnern uns an unsere erste veritable Passfahrt mit dem Velo in der Schweiz. Sie ist uns mit ihren Steigungen um die 18% und der wilden Landschaft heute noch in lebhafter Erinnerung. Nun wollen wir nochmals über den Pragelpass, allerdings zu Fuss.
Schwyz–Muotatal (Stalden)

Wir stehen nachmittags um 1 Uhr auf dem Bahnhof von Schwyz, warten auf den Bus nach Schwyz Post und erinnern uns an unsere erste veritable Passfahrt mit dem Velo in der Schweiz. Sie führte von Schwyz nach Glarus über den Pragelpass, heute Teil der 83 Suworow-Route von Veloland. Sie ist uns mit ihren Steigungen um die 18% und der wilden Landschaft heute noch in lebhafter bis schmerzhafter Erinnerung. Nun wollen wir nochmals über den Pragelpass, allerdings zu Fuss, auf dem 29 Pragelpass-Weg von Wanderland.

Bei der Post, dem Zentrum von Schwyz finden wir in der Konditorei Haug vier Meitschibei, gutes Brot (es ist nach drei Tagen im Rucksack noch gut, Gratulation) und in der Metzgerei Dusser Schwyzer Schafwürste. Für das gepflegte Picknick ist damit gesorgt und wir ziehen los.

Schon nach wenigen Metern sind wir auf dem Land. Es ist die Zeit der Obsternte. Die Bäume tragen schwer und das Rot der Äpfel tüpfelt das Nebelgrau unseres Mittwochs. Die heutige erste Etappe führt ins Muotathal an den Fuss des Pragelpasses. Sie ist einfach und kommt uns zum Auftakt gerade recht. Wir erreichen bald die Muota, die uns bis nach Stalden begleiten wird. Ihr sind im Winter 1799 bereits die 20'000 Mann des russischen General Suworow gefolgt, die erfrierend noch ausgiebig Leute erschlagen haben. Dieser heroischen Tat sind heute noch Gedenktafeln mit überraschend neutraler Inschrift gewidmet. Eine prangt an der Suworow-Brücke, einer schönen Holzbrücke, die hoch über der Muota tront. Nach einem langen Blick in ihre Vallotton-günen Wasser und geschliffenen Gletschermühlen und wenigen Schritten stehen wir vor der Stoss-Standseilbahn. Vielleicht würden die 700 Meter für einen Blick in die Sonne über dem Nebelmeer reichen.

Wir lassen uns indes nicht verlocken, nehmen uns dafür Zeit, um den Witz-Weg zu goutieren, der entlang des Pragelpass-Wegs eingerichtet wurde. Auf allerlei absonderlichen Baumstrünken sind Tafeln mit Witzen aus dem Muotathal angebracht. Wir geraten bei vielen Witzen in Streit über ihre Auslegung. Als die Witze und wir immer müder werden, sehen wir uns zu mehr Wanderdisziplin genötigt, wollen wir doch vor Einbruch der Dunkelheit unser Hotel Alpenblick in Stalden erreichen. Dafür müssen wir noch zwei aus Bahnschienen konstruierte längere Brücken passieren, die bei meinen 120 kg Lebendgewicht ordentlich in Schwingung geraten (sehr zur Freude meiner Frau). In Muotathal beobachten uns zwei Mädchen beim Suchen des Wegs nach Stalden. Gar nid schüüch stehen sie uns bei und weisen uns den Weg: Die übernächste Gwagglibrücke über die Muota ...
Im Bödmerenwald

Nachdem wir gestern unser Hotel gefunden und zum Znacht «Hafenkabis», eine lokale Spezialität aus Kabis, Schweine-, Schaffleisch und Kartoffeln kosten durften, wollen wir heute den Urwald vor dem Pragelpass, den Bödmerenwald erkunden. Dafür setzen wir unsere Wanderung über den Pragelpass einen Tag aus. Eigentlich haben wir auf gutes Wetter gehofft, aber der dicke Nebel hockt unverdrossen im Tal. So erwartet uns eher ein kaltes und nasses Erlebnis. Steil kraxeln wir die 900 Meter hinauf in den Urwald und betreten ihn an einem Ort mit dem sinnigen Flurnamen Plätsch.

Innen und aussen nass sind wir besonders empfänglich für die mystische Nebligkeit und ihr wabrigen Illusionen. So sehen wir schon bald in den gestürzten Fichten und triefenden Farnen Bären huschen. Wenigstens einer ihrer Schädel wurde denn auch im Höllloch gefunden, mit 195 km dem längsten Höhlennetz Europas, das irgendwo tief unter uns das Karstgebirge der Silberen löchert.

Inzwischen sitzen wir klamm neben dem Miststock auf einem Bänkli vor einer Alphütte und kauen an unseren Schafwürsten und Meitschibeis. Keine Fliege zeigt sich. Es ist im Nebel still. Ganz still.

Aber kalt. Wir brechen auf, wollen für den Abstieg zurück nach Stalden die Pragelpass-Strasse nehmen, um den glitschigen Wanderweg zu meiden. Auch auf der Strasse ist für Unterhaltung gesorgt. Den auf der Infotafel zum Bödmerenwald abgebildeten Marder sehen wir kurz darauf überfahren am Strassenrand kleben, dafür erleben wir den wildesten Bagger der Alpen lebend und in freier Wildbahn, den Menzi Muck. Ein technisch raffiniertes Tier, das sich in allen Arbeitslagen an den Berg klammert. Gesprengt wird auch. Töffs jagen sich. Action im Schwyzerland.

Wieder unten in Stalden, beim Eingang des Hölllochs freuen wir uns über eine Gruppe gequält lächelnder Herren in Höhlenkluft, die behelmt und mit adretten Stirnleuchten ausgestattet auf eine Teambuilding-Expedition ins Höllloch wartet. Wir bevorzugen jedoch den Aufenthalt im Gasthaus Höllloch. Auch hier gibt es Tropfsteine, zwar aus Plastik, dafür aber zu Deckenleuchten aufgerüstet. Für Stimmung ist also gesorgt, auch dank Blubber-Regal und Nutbush City Limits.
Muotatal (Stalden)–Pragelpass–Richisau

Zwei Geissen, ein Appenzeller und ein Schwyzer wollen die beiden Wanderer des Weges genau anschauen, letzterer sogar mit dem Feldstecher. Erst als wir schon fast vor ihm stehen, setzt er das Fernglas ab. Da sind die Geissen ungenierter, sie lassen uns gar nicht mehr aus den Augen. So können wir den ersten Teil des Aufstiegs nur kontrolliert geniessen. Er ist aber trotzdem denkwürdig, führt er doch über den sogenannten Staldenweg, einem sehr alten Weg, der auch im Inventar der Historischen Verkehrswege der Schweiz geführt wird. Er wurde für den Viehtrieb genutzt und ist so angelegt, dass das liebe Vieh nicht von den angrenzenden fremden Weiden fressen konnte.

Wir vergreifen uns ebenfalls nicht am fremden Geisseneigentum und streben den imposanten Gröllhalden entgegen, die wir bereits Gestern beim Abstieg vom Bödmerenwald kritisch beäugt hatten. Es war und ist uns überhaupt nicht klar, wie der Weg in dieser krassen Mondlandschaft angelegt sein wird.

Als wir das Flursträsschen verlassen, dass wir inzwischen begehen und in den kleinen Waldweg einbiegen, lüftet sich das Geheimnis. Ein wunderschöner Weg, gelegt aus grossen Steinplatten erwartet uns. Ein echtes Highlight und eine Mordsarbeit der verantwortlichen Schwyzer Wanderweg-Fachorganisation.

Vielleicht half ihnen einer jener Menzi Mucks, aber dennoch, fantastisch. Und das erst noch bei zwischenzeitlich aufgerissenem Himmel. So sehen wir endlich, woher die vielen Steine geflogen kamen. Schwarz steht die Fluh über uns, verfolgt die beiden Wandergestalten argwöhnisch (mit dem Feldstecher!), kalkuliert die korrekte Flugbahn für die nächsten Steinbrocken, die sie entbehren kann.

Knapp diesen fürchtigen Sorgen entkommen, geraten wir an eine Kuh, die nur spielen will und an einen schlagenden Elektrozaun. So sind die Knie gummig genug, um den kleinen Abstieg zur Starzlen hinunter federnd bewältigen zu können. Ab da ist der Weg sicher. Wir wurden zwar noch an einem Weidetor vor den Mutterkühen gewarnt. Aber es ist schon Herbst und die Kälber sind ausgezogen, ihre Mütter wieder friedlich und unser Stecken überflüssig. So erreichen wir wohlgemut die steife Bise, die über den Pass weht, werfen unsere Blicke auf beide Seiten und kehren unverzüglich zu Schüblig und Kartoffelsalat in der Pass-Hütte ein. Sitzen in der Wärme unter dem Geweih eines Hirsches, der nach einer ausführlichen Brunftzeit unweit des Passes an Herzversagen gestorben ist.

In den Abend hinein spazieren wir gemütlich hinunter nach Richisau. Bewundern die Ahorne, die mit dunklem Moos bewachsen zum Abschluss des schönen Tages die gar romantische Stimmung von Carl Spitzweg verbreiten. Den Abend beschliessen wir im Gasthaus Richisau, einer raren Architektur-Älplermischung, aber gut. Gut sind auch die Glarner Schnitzel mit Zwetschgen und Brät sowie das auf meinen Wunsch nur ganz kurz gebratene Wildschwein, das ich zu mehreren Gläsern schönen Weins verspeise. Es hätte auch Zigerhörnli gegeben.
Richisau–Glarus

Kein Licht hat die Nacht in den grossen Zimmerfenstern gestört. Einfach Nacht. Schon das ist für Agglommerationsländler ein Erlebnis. Dafür ist der Nebel wieder da und wir versuchen mit dem Frühstück Zeit zu gewinnen. Als wir uns auf den Weg machen, zeigen sich die ersten Löcher mit Sonnenfelsen im Grau und wir freuen uns auf den Klöntalersee und eine gemütliche Wanderung entlang delikater Wanderwegweiser hinunter nach Glarus.

Doch der See liegt grau und verweigert seine Postkartenansicht mit der leuchtenden, glasklar gespiegelten Glarner Bergwelt. Wir tauchen ein in seinen triefenden Auenwald unter den senkrechten Bergwänden, die in den Wolken verschwinden. Bricht ein Sonnenstrahl diese neblige Welt wird er zum mahnenden Bannstrahl, Glarusser hütet Euch! Wir stehen am Seeufer, den Blick gegen dieses gleissende Licht und sehen es geschehen. Die dunkle Wand kracht, löst sich, wankt. Schon erhebt sich freudig der Wind. Uns bleibt der rettende Sprung ins eisige Wasser, hoffen, dass die Flutwelle unter uns durchbraust. Noch bevor uns der türmende Wasserberg erreichen wird, bricht der Damm, kehren die Wasser und mitten im reissenden Strom schleudern wir durch den offenen Syphon der Mauer, gurgeln durch die wüste Schlucht, deren Wände noch hallen vom letzten Obligatorischen der Glarner und schäumen zwischen toten Kühen hinunter nach Glar....aus.

So geschehen am 27. September 2009.

Die Heimreise verbringen wir einsam, erster Klasse und chipsfressend im Glarner Sprinter, lassen die Geschehnisse nachwirken.

PS:
Wir stehen auf dem Bahnhof von Schwyz und erinnern uns an unsere erste veritable Passfahrt mit dem Velo in der Schweiz. Sie ist uns mit ihren Steigungen um die 18% und der wilden Landschaft heute noch in lebhafter Erinnerung. Nun wollen wir nochmals über den Pragelpass, allerdings zu Fuss.
Schwyz–Muotatal (Stalden)

Wir stehen nachmittags um 1 Uhr auf dem Bahnhof von Schwyz, warten auf den Bus nach Schwyz Post und erinnern uns an unsere erste veritable Passfahrt mit dem Velo in der Schweiz. Sie führte von Schwyz nach Glarus über den Pragelpass, heute Teil der 83 Suworow-Route von Veloland. Sie ist uns mit ihren Steigungen um die 18% und der wilden Landschaft heute noch in lebhafter bis schmerzhafter Erinnerung. Nun wollen wir nochmals über den Pragelpass, allerdings zu Fuss, auf dem 29 Pragelpass-Weg von Wanderland.

Bei der Post, dem Zentrum von Schwyz finden wir in der Konditorei Haug vier Meitschibei, gutes Brot (es ist nach drei Tagen im Rucksack noch gut, Gratulation) und in der Metzgerei Dusser Schwyzer Schafwürste. Für das gepflegte Picknick ist damit gesorgt und wir ziehen los.

Schon nach wenigen Metern sind wir auf dem Land. Es ist die Zeit der Obsternte. Die Bäume tragen schwer und das Rot der Äpfel tüpfelt das Nebelgrau unseres Mittwochs. Die heutige erste Etappe führt ins Muotathal an den Fuss des Pragelpasses. Sie ist einfach und kommt uns zum Auftakt gerade recht. Wir erreichen bald die Muota, die uns bis nach Stalden begleiten wird. Ihr sind im Winter 1799 bereits die 20'000 Mann des russischen General Suworow gefolgt, die erfrierend noch ausgiebig Leute erschlagen haben. Dieser heroischen Tat sind heute noch Gedenktafeln mit überraschend neutraler Inschrift gewidmet. Eine prangt an der Suworow-Brücke, einer schönen Holzbrücke, die hoch über der Muota tront. Nach einem langen Blick in ihre Vallotton-günen Wasser und geschliffenen Gletschermühlen und wenigen Schritten stehen wir vor der Stoss-Standseilbahn. Vielleicht würden die 700 Meter für einen Blick in die Sonne über dem Nebelmeer reichen.

Wir lassen uns indes nicht verlocken, nehmen uns dafür Zeit, um den Witz-Weg zu goutieren, der entlang des Pragelpass-Wegs eingerichtet wurde. Auf allerlei absonderlichen Baumstrünken sind Tafeln mit Witzen aus dem Muotathal angebracht. Wir geraten bei vielen Witzen in Streit über ihre Auslegung. Als die Witze und wir immer müder werden, sehen wir uns zu mehr Wanderdisziplin genötigt, wollen wir doch vor Einbruch der Dunkelheit unser Hotel Alpenblick in Stalden erreichen. Dafür müssen wir noch zwei aus Bahnschienen konstruierte längere Brücken passieren, die bei meinen 120 kg Lebendgewicht ordentlich in Schwingung geraten (sehr zur Freude meiner Frau). In Muotathal beobachten uns zwei Mädchen beim Suchen des Wegs nach Stalden. Gar nid schüüch stehen sie uns bei und weisen uns den Weg: Die übernächste Gwagglibrücke über die Muota ...
Im Bödmerenwald

Nachdem wir gestern unser Hotel gefunden und zum Znacht «Hafenkabis», eine lokale Spezialität aus Kabis, Schweine-, Schaffleisch und Kartoffeln kosten durften, wollen wir heute den Urwald vor dem Pragelpass, den Bödmerenwald erkunden. Dafür setzen wir unsere Wanderung über den Pragelpass einen Tag aus. Eigentlich haben wir auf gutes Wetter gehofft, aber der dicke Nebel hockt unverdrossen im Tal. So erwartet uns eher ein kaltes und nasses Erlebnis. Steil kraxeln wir die 900 Meter hinauf in den Urwald und betreten ihn an einem Ort mit dem sinnigen Flurnamen Plätsch.

Innen und aussen nass sind wir besonders empfänglich für die mystische Nebligkeit und ihr wabrigen Illusionen. So sehen wir schon bald in den gestürzten Fichten und triefenden Farnen Bären huschen. Wenigstens einer ihrer Schädel wurde denn auch im Höllloch gefunden, mit 195 km dem längsten Höhlennetz Europas, das irgendwo tief unter uns das Karstgebirge der Silberen löchert.

Inzwischen sitzen wir klamm neben dem Miststock auf einem Bänkli vor einer Alphütte und kauen an unseren Schafwürsten und Meitschibeis. Keine Fliege zeigt sich. Es ist im Nebel still. Ganz still.

Aber kalt. Wir brechen auf, wollen für den Abstieg zurück nach Stalden die Pragelpass-Strasse nehmen, um den glitschigen Wanderweg zu meiden. Auch auf der Strasse ist für Unterhaltung gesorgt. Den auf der Infotafel zum Bödmerenwald abgebildeten Marder sehen wir kurz darauf überfahren am Strassenrand kleben, dafür erleben wir den wildesten Bagger der Alpen lebend und in freier Wildbahn, den Menzi Muck. Ein technisch raffiniertes Tier, das sich in allen Arbeitslagen an den Berg klammert. Gesprengt wird auch. Töffs jagen sich. Action im Schwyzerland.

Wieder unten in Stalden, beim Eingang des Hölllochs freuen wir uns über eine Gruppe gequält lächelnder Herren in Höhlenkluft, die behelmt und mit adretten Stirnleuchten ausgestattet auf eine Teambuilding-Expedition ins Höllloch wartet. Wir bevorzugen jedoch den Aufenthalt im Gasthaus Höllloch. Auch hier gibt es Tropfsteine, zwar aus Plastik, dafür aber zu Deckenleuchten aufgerüstet. Für Stimmung ist also gesorgt, auch dank Blubber-Regal und Nutbush City Limits.
Muotatal (Stalden)–Pragelpass–Richisau

Zwei Geissen, ein Appenzeller und ein Schwyzer wollen die beiden Wanderer des Weges genau anschauen, letzterer sogar mit dem Feldstecher. Erst als wir schon fast vor ihm stehen, setzt er das Fernglas ab. Da sind die Geissen ungenierter, sie lassen uns gar nicht mehr aus den Augen. So können wir den ersten Teil des Aufstiegs nur kontrolliert geniessen. Er ist aber trotzdem denkwürdig, führt er doch über den sogenannten Staldenweg, einem sehr alten Weg, der auch im Inventar der Historischen Verkehrswege der Schweiz geführt wird. Er wurde für den Viehtrieb genutzt und ist so angelegt, dass das liebe Vieh nicht von den angrenzenden fremden Weiden fressen konnte.

Wir vergreifen uns ebenfalls nicht am fremden Geisseneigentum und streben den imposanten Gröllhalden entgegen, die wir bereits Gestern beim Abstieg vom Bödmerenwald kritisch beäugt hatten. Es war und ist uns überhaupt nicht klar, wie der Weg in dieser krassen Mondlandschaft angelegt sein wird.

Als wir das Flursträsschen verlassen, dass wir inzwischen begehen und in den kleinen Waldweg einbiegen, lüftet sich das Geheimnis. Ein wunderschöner Weg, gelegt aus grossen Steinplatten erwartet uns. Ein echtes Highlight und eine Mordsarbeit der verantwortlichen Schwyzer Wanderweg-Fachorganisation.

Vielleicht half ihnen einer jener Menzi Mucks, aber dennoch, fantastisch. Und das erst noch bei zwischenzeitlich aufgerissenem Himmel. So sehen wir endlich, woher die vielen Steine geflogen kamen. Schwarz steht die Fluh über uns, verfolgt die beiden Wandergestalten argwöhnisch (mit dem Feldstecher!), kalkuliert die korrekte Flugbahn für die nächsten Steinbrocken, die sie entbehren kann.

Knapp diesen fürchtigen Sorgen entkommen, geraten wir an eine Kuh, die nur spielen will und an einen schlagenden Elektrozaun. So sind die Knie gummig genug, um den kleinen Abstieg zur Starzlen hinunter federnd bewältigen zu können. Ab da ist der Weg sicher. Wir wurden zwar noch an einem Weidetor vor den Mutterkühen gewarnt. Aber es ist schon Herbst und die Kälber sind ausgezogen, ihre Mütter wieder friedlich und unser Stecken überflüssig. So erreichen wir wohlgemut die steife Bise, die über den Pass weht, werfen unsere Blicke auf beide Seiten und kehren unverzüglich zu Schüblig und Kartoffelsalat in der Pass-Hütte ein. Sitzen in der Wärme unter dem Geweih eines Hirsches, der nach einer ausführlichen Brunftzeit unweit des Passes an Herzversagen gestorben ist.

In den Abend hinein spazieren wir gemütlich hinunter nach Richisau. Bewundern die Ahorne, die mit dunklem Moos bewachsen zum Abschluss des schönen Tages die gar romantische Stimmung von Carl Spitzweg verbreiten. Den Abend beschliessen wir im Gasthaus Richisau, einer raren Architektur-Älplermischung, aber gut. Gut sind auch die Glarner Schnitzel mit Zwetschgen und Brät sowie das auf meinen Wunsch nur ganz kurz gebratene Wildschwein, das ich zu mehreren Gläsern schönen Weins verspeise. Es hätte auch Zigerhörnli gegeben.
Richisau–Glarus

Kein Licht hat die Nacht in den grossen Zimmerfenstern gestört. Einfach Nacht. Schon das ist für Agglommerationsländler ein Erlebnis. Dafür ist der Nebel wieder da und wir versuchen mit dem Frühstück Zeit zu gewinnen. Als wir uns auf den Weg machen, zeigen sich die ersten Löcher mit Sonnenfelsen im Grau und wir freuen uns auf den Klöntalersee und eine gemütliche Wanderung entlang delikater Wanderwegweiser hinunter nach Glarus.

Doch der See liegt grau und verweigert seine Postkartenansicht mit der leuchtenden, glasklar gespiegelten Glarner Bergwelt. Wir tauchen ein in seinen triefenden Auenwald unter den senkrechten Bergwänden, die in den Wolken verschwinden. Bricht ein Sonnenstrahl diese neblige Welt wird er zum mahnenden Bannstrahl, Glarusser hütet Euch! Wir stehen am Seeufer, den Blick gegen dieses gleissende Licht und sehen es geschehen. Die dunkle Wand kracht, löst sich, wankt. Schon erhebt sich freudig der Wind. Uns bleibt der rettende Sprung ins eisige Wasser, hoffen, dass die Flutwelle unter uns durchbraust. Noch bevor uns der türmende Wasserberg erreichen wird, bricht der Damm, kehren die Wasser und mitten im reissenden Strom schleudern wir durch den offenen Syphon der Mauer, gurgeln durch die wüste Schlucht, deren Wände noch hallen vom letzten Obligatorischen der Glarner und schäumen zwischen toten Kühen hinunter nach Glar....aus.

So geschehen am 27. September 2009.

Die Heimreise verbringen wir einsam, erster Klasse und chipsfressend im Glarner Sprinter, lassen die Geschehnisse nachwirken.

PS:
www.menzimuck.com

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