Wanderland

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Alpenpanorama-Weg
Rorschach–Genève
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Von Schwarzenburg nach Vevey

Von Schwarzenburg nach Vevey

Ein wunderbarer Herbsttag liegt über dem Morgennebel. Wir machen uns auf zum Bahnhof, und mit uns die halbe Schweiz: Wandern ist angesagt. Der Zug ist gefüllt mit Tratsch über das Neueste aus dem erweiterten Bekanntenkreis und die Füsse scharren ungeduldig dem Berner Oberland entgegen.
1. Tag: Schwarzenburg–Guggisberg

Ein wunderbarer Herbsttag liegt über dem Morgennebel. Wir machen uns auf zum Bahnhof, und mit uns die halbe Schweiz: Wandern ist angesagt. Der Zug ist gefüllt mit Tratsch über das Neueste aus dem erweiterten Bekanntenkreis und die Füsse scharren ungeduldig dem Berner Oberland entgegen.

Wir sind für eine gerechtere Verteilung der Wanderer in der Schweiz, stehen aber mit diesem sozialen Ansinnen offensichtlich auf etwas verlorenem Posten, denn als wir in Bern Richtung Schwarzenburg umsteigen wollen, wartet auf dem Gehsteig nochmals das doppelte Fassungsvermögen des Zugs mit «Berner Oberländern». Knapp können wir uns aus der Zugstüre quetschen, bevor die paar frei gewordenen Sitzplätze überflutet werden.

Im «Schwarzenburgerli» stimmen wir uns bei reduziertem Schallpegel und einer beschaulichen Geschwindigkeit auf unsere Wanderung auf dem Alpenpanorama-Weg von Schwarzenburg an den Genfersee ein. In sechs Tagen wollen wir einen eher unbekannten Landesteil erkunden und bleiben denn auch unter den wenigen Passagieren, die im Zug bis Schwarzenburg ausharren, die einzigen Wanderer.

In der Bäckerei erliegen wir dem Duft der frischen Wähen und mit vollem Bauch unterbieten wir locker die geforderten Höchstgeschwindigkeiten von 20, dann 30 und bleiben auch Ausserorts bei unseren 4 km/h. Damit schleichen wir noch beim letzten Einfamilienhaus am ersten Hirsch vorbei, der im Blumengarten den Flugzeugen am Himmel nachträumt, während eine ältere Dame misstrauisch aus dem Küchenfenster äugt.

Ein letzter Blick zurück und das häusliche Schwarzenburg entschwindet, vor uns im warmen Sonnenlicht eine milde Hügellandschaft mit behäbigen Bauernhäusern, Schweizerfahnen, faulen Hofhunden, mampfenden Kühen, in der Aussicht ein gelbes Postauto und am Himmel der «Lehrverband Flieger 31» in den Pilatus PC-21 der Kunstflugstaffel der Schweizer Armee.

In dieser Postkarte wandern wir vorbei am Walehus, von wo einst der Simes Hans-Joggeli in die Fremdenlegion zog, weil er glaubte, einen Nebenbuhler um die Gunst Vrenelis erschlagen zu haben, übers Guggershorn bis zum Vreneli ab em Guggisberg. Das kopflos verlassene Vreneli nutzte den mutigen Holzsteg und die Aussichtsplattform auf dem Guggershorn, um vergeblich nach ihrem Simes Hans-Joggeli Ausschau zu halten und so verstarb sie früh über ihrer unerfüllten Jugendliebe. Davon lebt Guggisberg noch heute.

Zum Glück, sonst gäbe es das Hotel Sternen nicht, wo wir mit Blick ins verglimmende Freiburgerland und zu feinen Guggershörnli unserem zweiten, diesmal rosarot gebratenen Hirsch begegnen. Die letzten Hirsche des Tages verfolgen wir vom Bett aus in einem Film über das Rotwild der Alpen. Morgen werden wir dann als Erstes 300 m zur Hirschmatt hinuntersteigen.
2. Tag: Guggisberg–Schwarzsee

Plötsch, Gouchitsgrabe, Brönnti Egg, Gustere, Martene, Obersti Site (drei Schmusekatzen), Mittlisti Site, Understi Site und wir sind beim Zollhaus, dort wo die Kalte Sense in die Warme Sense fliesst, worauf das doppelte Gewässer nicht Lauwarme Sense sondern trocken Sense heisst.

Dummerweise ertappen wir einen Lausebengel mit Schlabberhose und Schirmmütze, wie er sein Mountainbike wütend in die noch Warme Sense schmeisst, den Daumen hochhebt und gleich vom ersten Auto mitgenommen wird, noch bevor wir ihm die Ohren langziehen können. Enttäuscht ob des entgangenen erzieherischen Akts klauben wir das Arrow Hardtail selbst aus dem Bachbett. Eine Acht im Vorderrad scheint seinen Wutanfall ausgelöst zu haben. Vorausahnend hatte der ortsansässige Velohändler seinen Adresskleber auf den Rahmen geklebt, weil man kennt ja die heutige Jugend und darf gelegentlich sogar auf petzende Wanderer hoffen (wozu sonst hat man sein Mobile dabei).

Die möglichen Fortsetzungen der Geschichte haben uns entlang der Warmen Sense bis Schwarzsee unterhalten, unterbrochen vom Haus mit der Goldstaubfassade, wo mit einer silbernen Kelle angerichtet wird – mehr verraten wir nicht, wer den Lichtschatz heben will, muss sich nahe dem Zollhaus selbst auf die Suche machen.

Schwarzsee. Die märchenhaften Schwanpedalos haben wegen der abendlichen Kühle bereits am Steg vor unserem Hotel festgemacht. Sie hätten mitten im See der Wolken verhangenen, japanisch anmutenden Bergszenerie sicher den letzten künstlichen Schliff gegeben.

Auf der Sommerschlittelbahn sausen die späten Tagesgäste ein letztes Mal den Hang hinunter, dann leert sich der Parkplatz. Es ist schön, hierzubleiben.
3. Tag: Schwarzsee–Jaun

Berge auf dem Kopf, Fische im Himmel, Schilf wächst in die Wolken, der See unternimmt alles, um seinem Werbevertrag mit Freiburg Tourismus gerecht zu werden. Spiegelglatt. Vom Schwefel-Badehaus trööötet das Alphorntreffen, der Kaffeeduft durchzieht das Hotel. Der Morgen schreit nach Wandern.

Die Zimmertüren öffnen sich, heraus tritt die Gästeschar und schreitet sogleich zur Verwüstung des Frühstücksbuffets. Eine der Familien hinterlässt auf dem Tisch aus Angefressenem ein Abbild der Berglandschaft hinter dem Panoramafenster. Die Berge rufen, es ist kein Halten mehr.

Draussen füllt sich der Parkplatz erneut mit Tagesgästen. Zum Glück schaufelt uns die Bergbahn auf die Riggisalp den Weg für einen einsamen Aufstieg in Richtung Euschelspass frei. Was ist diese bergige Schweiz doch schön, echt wahr, vor allem, wenn das Alleinsein gelingt. Rhythmisches Atmen, dornige Kuhhäge mit wackligen Überkletterhilfen, die Frische des Morgens, die Wanderfüsse achtsam neben die befliegten Fladen gesetzt, die wärmende Sonne, alles ohne fremde Blicke – bis wir auf halber Höhe auf die Wanderschlange aus der Bergbahn treffen. Es ist den Leuten nicht zu verdenken, es ist wirklich schön heroben. Da aber alle zurück zu Ihrem Parkplatz müssen, windet sich die Schlange schon bald wieder zurück, wir aber können den Euschelpass überschreiten und weiter in unbekanntes Land vordringen.

Das ganz so unbekannt nicht zu sein scheint, es wird bereits auch änet dem Euschel gewohnt und alles was hier wohnt versammelt sich heute Abend in unserem Hotel «Wasserfall». Eine Country-Night ist angesagt. Von der Wandtäfelung mit der gemalten Holzmaserierung äugt Clint Eastwood aus dem Plakat skeptisch auf unsere Teller, skeptischer noch als die polnischen Gäste vom Nebentisch in ihr Fondue gucken. Aber sie halten sich gut und verputzen dann gleich noch eine grosse Portion Meringue mit Doppelrahm zu den Resten des Weissweins. Wir verzichten auf Clint und gehen schlafen.
4. Tag; Jaun–Greyerz

Trotz Country-Night war es eine ruhige Nacht. Wir sitzen mit etwas wackeligen Beinen von unseren drei ersten Wandertagen beim Zmorge in der Gaststube. Die Wirtin hat eine lange Nacht hinter sich und hängt müde am Stammtisch. Die polnischen Gäste erforschen durch ihre Kameras das Dorf. Das erste Sonnenlicht lugt ins Tal. Vis à vis des Hotels rauscht der Wasserfall. Sein Wasser entstammt einem Hochtal beim Vanil Noir, es versickert dort nach wenigen Kilometern im Untergrund und kommt nach frühestens 11 Tagen als Wasserfall nach Jaun, wo es sich nach seiner Nutzung im 75 jährigen Elektrizitätswerk Jaun mit der Jäunli zum Jaunbach vereinigt.

Und diesem Jaunbach werden wir Heute auf uralten Wanderwegen entlang füsseln, Weg gewiesen von einem Wegweiser, der, verkehrte Welt, schon halb vom seinem Wirtsbaum aufgefressen ist, und hoffen zur Abwechslung nach Eigeligkeiten der taligen Schweiz. Eine davon scheint die Liebe der Eingewohnten zu ihren sattgrünen Wiesen zu sein, versuchen sie doch unbotmässige Bäche, die Risse in ihren Wiesen graben, kurzerhand zuzunähen. Eine andere ist abgefüllt in kleinste Milchkesseli aus Holz, Greyerzer Doppelrahm für den Kaffee, der darauf allergisch mit Fettaugen reagiert.

In Charmey stechen wir zum gestauten Lac de Montsalvens hinunter, während oben auf der stark befahrenen Hauptstrasse ein Alpabzug den Verkehr beruhigt. Eine stattliche Gruppe Harley Davidsonisten stiert auf die aufgebretzelten Kühe, haben noch nie so viele davon auf einem einmal gesehen, ein Höhepunkt der krachenden Pässefahrt.

Der Höhepunkt unseres Tages folgt mit der Restwasser-Jaunschlucht unterhalb des Staudammes. Auch wenn man sich gut vorstellen kann, wie die Wasser einst ungezügelt durch die Schlucht geschossen sind, schwänzeln heute die Forellen betulich in stillen blaugrünen Wassern nach Mückenlarven. Ganz geheuer scheint den Erbauern des Staudamms diese Idylle nicht zu sein, haben sie doch eine beängstigende Sollbruchstelle in den Damm eingebaut: Das Wasser steigt, steigt, steigt, drückt auf die bewegliche Wand, unterspült sie, hebt sie hoch und lässt sie kippen. Die Forellen fänden sich dann mit einigem Andern im Greyerzersee wieder.

Solch schwarze Gedanken inspirieren die dunklen, knapp überfrauhohen herben Tünnelchen, die durch die Jaunschlucht führen.

Den zweiten Höhepunkt ersteigen wir mit Greyerz. Wir haben hier übernachten gewollt, ist aber nicht. Alle Hotels sind komplett, das Dorf voller Menschen, zwei Kühe zum Anfassen sind auch da, argwöhnisch bewacht von Mustersennen, Schlagermusik wird auf der Bühne geprobt und wir verdrücken uns mit dem Bus ins nahe Bulle um eine Schlafstelle zu finden.
5. Tag: Greyerz–Les Paccots

Zurück mit dem frühen Zug nach Greyerz. Heute ist Sonntag, ein herbstlich schöner dazu. Das wird ein Volk geben auf dem Moléson. Sie werden in Heerscharen mit der Standseilbahn nach Plan-Francey auf 1500m fahren, die Felswände des Moléson massenbeklettern (von den Wanderern fachkundig durch die Ferngläser kommentiert) oder sich mit der Seilbahn gar auf 1900m liften lassen, um rund um den Berg wieder zur Standseilbahn zurück wandern zu dürfen, und zuletzt wird sich dieser ganze schöne Sonntag im Bergrestaurant bei Fondue und Bratwurst von den gewesenen Strapazen erholen. Kurz, es wird ein gelungener Tag werden.

Auch wir gehen in Greyerz vergnügt die heutigen 1000 Höhenmeter an. Es eilt nichts, Bratwürste werden sie im Bergrestaurant wohl genügend gebunkert haben. So geht es hinauf, hinauf, hinauf und hinauf und noch höher hinauf bis oben auf die Sonnenterasse zu den Vielen. Ein herrlicher Rundblick heute. Und die Bratwürsten reichen wirklich auch für uns.

Den Rest des Sonnentaglichts verplempern wir in Richtung Les Paccots beim in die Gegend gucken, Quellwasser trinken, potentiellen Waldbrand löschen und Käfern nachschauen. Was folgt ist Greyerzer. Erst serviert im Holzkessel, in einer lauchigen Milchsuppe, zu essen mit grossmäuligen Holzlöffeln, die nur schlürfend zu bedienen sind, dann im gusseisernen Caquelon mit Hörnli und Speck, wieder mit Holzlöffeln zu essen, nur fehlen uns die Pferdezähne um die klebrigen Hörnli aus der traditionsreichen Holzmulde zu nagen. Aber das Essen ist gut und so leisten wir gerne unseren Beitrag an die lokalen Schlürf- und Schmatzgewohnheiten.
6. Tag: Les Paccots–Vevey

Heute soll es regnen. Der Himmel blickt schon betrübt, der Wald riecht herbstlich, der ältliche Hundekot verkriecht sich vorsorglich im Pilzmantel. Heute ist unser letzter Wandertag, ein montäglich einsamer. Ausser einem Paar, das in den letzten Jahren die Schweiz auf dem Trans Swiss Trail in Etappen erwanderte und wie wir geniesst, zu sehen, was gelegentlich übersehen wird, sehen wir niemanden. Das tut nach dem turbulenten Sonntag gut.

Die Aussicht nebelt zu, macht das Hochmoor abgeschiedener als es ist, selbst der Skilift mittendrin wirkt geheimnisvoll, wenigsten was seine Baubewilligung anbelangt. Wir sind auf Les Pléiades angekommen, dem Allzweck-Hausberg von Vevey. Die kommenden 1000 Tiefenmeter ersparen wir uns mit Standseilbahn und Zügli.

Da nochmals die Sonne erscheint, überlassen wir uns bis Lausanne dem Dieseldampf-Schiff und lassen das UNESCO Welterbe Lavaux an uns vorüber ziehen. Generationen von Bauern haben hier eine einzigartige Weinberg-Terrassenlandschaft erzogen und vererbt. Ihre vorläufig letzte Generation erntet heute die süssesten aller Trauben, die begehrten und damit teueren Bauländler.

Dann regnet es.
Ein wunderbarer Herbsttag liegt über dem Morgennebel. Wir machen uns auf zum Bahnhof, und mit uns die halbe Schweiz: Wandern ist angesagt. Der Zug ist gefüllt mit Tratsch über das Neueste aus dem erweiterten Bekanntenkreis und die Füsse scharren ungeduldig dem Berner Oberland entgegen.
1. Tag: Schwarzenburg–Guggisberg

Ein wunderbarer Herbsttag liegt über dem Morgennebel. Wir machen uns auf zum Bahnhof, und mit uns die halbe Schweiz: Wandern ist angesagt. Der Zug ist gefüllt mit Tratsch über das Neueste aus dem erweiterten Bekanntenkreis und die Füsse scharren ungeduldig dem Berner Oberland entgegen.

Wir sind für eine gerechtere Verteilung der Wanderer in der Schweiz, stehen aber mit diesem sozialen Ansinnen offensichtlich auf etwas verlorenem Posten, denn als wir in Bern Richtung Schwarzenburg umsteigen wollen, wartet auf dem Gehsteig nochmals das doppelte Fassungsvermögen des Zugs mit «Berner Oberländern». Knapp können wir uns aus der Zugstüre quetschen, bevor die paar frei gewordenen Sitzplätze überflutet werden.

Im «Schwarzenburgerli» stimmen wir uns bei reduziertem Schallpegel und einer beschaulichen Geschwindigkeit auf unsere Wanderung auf dem Alpenpanorama-Weg von Schwarzenburg an den Genfersee ein. In sechs Tagen wollen wir einen eher unbekannten Landesteil erkunden und bleiben denn auch unter den wenigen Passagieren, die im Zug bis Schwarzenburg ausharren, die einzigen Wanderer.

In der Bäckerei erliegen wir dem Duft der frischen Wähen und mit vollem Bauch unterbieten wir locker die geforderten Höchstgeschwindigkeiten von 20, dann 30 und bleiben auch Ausserorts bei unseren 4 km/h. Damit schleichen wir noch beim letzten Einfamilienhaus am ersten Hirsch vorbei, der im Blumengarten den Flugzeugen am Himmel nachträumt, während eine ältere Dame misstrauisch aus dem Küchenfenster äugt.

Ein letzter Blick zurück und das häusliche Schwarzenburg entschwindet, vor uns im warmen Sonnenlicht eine milde Hügellandschaft mit behäbigen Bauernhäusern, Schweizerfahnen, faulen Hofhunden, mampfenden Kühen, in der Aussicht ein gelbes Postauto und am Himmel der «Lehrverband Flieger 31» in den Pilatus PC-21 der Kunstflugstaffel der Schweizer Armee.

In dieser Postkarte wandern wir vorbei am Walehus, von wo einst der Simes Hans-Joggeli in die Fremdenlegion zog, weil er glaubte, einen Nebenbuhler um die Gunst Vrenelis erschlagen zu haben, übers Guggershorn bis zum Vreneli ab em Guggisberg. Das kopflos verlassene Vreneli nutzte den mutigen Holzsteg und die Aussichtsplattform auf dem Guggershorn, um vergeblich nach ihrem Simes Hans-Joggeli Ausschau zu halten und so verstarb sie früh über ihrer unerfüllten Jugendliebe. Davon lebt Guggisberg noch heute.

Zum Glück, sonst gäbe es das Hotel Sternen nicht, wo wir mit Blick ins verglimmende Freiburgerland und zu feinen Guggershörnli unserem zweiten, diesmal rosarot gebratenen Hirsch begegnen. Die letzten Hirsche des Tages verfolgen wir vom Bett aus in einem Film über das Rotwild der Alpen. Morgen werden wir dann als Erstes 300 m zur Hirschmatt hinuntersteigen.
2. Tag: Guggisberg–Schwarzsee

Plötsch, Gouchitsgrabe, Brönnti Egg, Gustere, Martene, Obersti Site (drei Schmusekatzen), Mittlisti Site, Understi Site und wir sind beim Zollhaus, dort wo die Kalte Sense in die Warme Sense fliesst, worauf das doppelte Gewässer nicht Lauwarme Sense sondern trocken Sense heisst.

Dummerweise ertappen wir einen Lausebengel mit Schlabberhose und Schirmmütze, wie er sein Mountainbike wütend in die noch Warme Sense schmeisst, den Daumen hochhebt und gleich vom ersten Auto mitgenommen wird, noch bevor wir ihm die Ohren langziehen können. Enttäuscht ob des entgangenen erzieherischen Akts klauben wir das Arrow Hardtail selbst aus dem Bachbett. Eine Acht im Vorderrad scheint seinen Wutanfall ausgelöst zu haben. Vorausahnend hatte der ortsansässige Velohändler seinen Adresskleber auf den Rahmen geklebt, weil man kennt ja die heutige Jugend und darf gelegentlich sogar auf petzende Wanderer hoffen (wozu sonst hat man sein Mobile dabei).

Die möglichen Fortsetzungen der Geschichte haben uns entlang der Warmen Sense bis Schwarzsee unterhalten, unterbrochen vom Haus mit der Goldstaubfassade, wo mit einer silbernen Kelle angerichtet wird – mehr verraten wir nicht, wer den Lichtschatz heben will, muss sich nahe dem Zollhaus selbst auf die Suche machen.

Schwarzsee. Die märchenhaften Schwanpedalos haben wegen der abendlichen Kühle bereits am Steg vor unserem Hotel festgemacht. Sie hätten mitten im See der Wolken verhangenen, japanisch anmutenden Bergszenerie sicher den letzten künstlichen Schliff gegeben.

Auf der Sommerschlittelbahn sausen die späten Tagesgäste ein letztes Mal den Hang hinunter, dann leert sich der Parkplatz. Es ist schön, hierzubleiben.
3. Tag: Schwarzsee–Jaun

Berge auf dem Kopf, Fische im Himmel, Schilf wächst in die Wolken, der See unternimmt alles, um seinem Werbevertrag mit Freiburg Tourismus gerecht zu werden. Spiegelglatt. Vom Schwefel-Badehaus trööötet das Alphorntreffen, der Kaffeeduft durchzieht das Hotel. Der Morgen schreit nach Wandern.

Die Zimmertüren öffnen sich, heraus tritt die Gästeschar und schreitet sogleich zur Verwüstung des Frühstücksbuffets. Eine der Familien hinterlässt auf dem Tisch aus Angefressenem ein Abbild der Berglandschaft hinter dem Panoramafenster. Die Berge rufen, es ist kein Halten mehr.

Draussen füllt sich der Parkplatz erneut mit Tagesgästen. Zum Glück schaufelt uns die Bergbahn auf die Riggisalp den Weg für einen einsamen Aufstieg in Richtung Euschelspass frei. Was ist diese bergige Schweiz doch schön, echt wahr, vor allem, wenn das Alleinsein gelingt. Rhythmisches Atmen, dornige Kuhhäge mit wackligen Überkletterhilfen, die Frische des Morgens, die Wanderfüsse achtsam neben die befliegten Fladen gesetzt, die wärmende Sonne, alles ohne fremde Blicke – bis wir auf halber Höhe auf die Wanderschlange aus der Bergbahn treffen. Es ist den Leuten nicht zu verdenken, es ist wirklich schön heroben. Da aber alle zurück zu Ihrem Parkplatz müssen, windet sich die Schlange schon bald wieder zurück, wir aber können den Euschelpass überschreiten und weiter in unbekanntes Land vordringen.

Das ganz so unbekannt nicht zu sein scheint, es wird bereits auch änet dem Euschel gewohnt und alles was hier wohnt versammelt sich heute Abend in unserem Hotel «Wasserfall». Eine Country-Night ist angesagt. Von der Wandtäfelung mit der gemalten Holzmaserierung äugt Clint Eastwood aus dem Plakat skeptisch auf unsere Teller, skeptischer noch als die polnischen Gäste vom Nebentisch in ihr Fondue gucken. Aber sie halten sich gut und verputzen dann gleich noch eine grosse Portion Meringue mit Doppelrahm zu den Resten des Weissweins. Wir verzichten auf Clint und gehen schlafen.
4. Tag; Jaun–Greyerz

Trotz Country-Night war es eine ruhige Nacht. Wir sitzen mit etwas wackeligen Beinen von unseren drei ersten Wandertagen beim Zmorge in der Gaststube. Die Wirtin hat eine lange Nacht hinter sich und hängt müde am Stammtisch. Die polnischen Gäste erforschen durch ihre Kameras das Dorf. Das erste Sonnenlicht lugt ins Tal. Vis à vis des Hotels rauscht der Wasserfall. Sein Wasser entstammt einem Hochtal beim Vanil Noir, es versickert dort nach wenigen Kilometern im Untergrund und kommt nach frühestens 11 Tagen als Wasserfall nach Jaun, wo es sich nach seiner Nutzung im 75 jährigen Elektrizitätswerk Jaun mit der Jäunli zum Jaunbach vereinigt.

Und diesem Jaunbach werden wir Heute auf uralten Wanderwegen entlang füsseln, Weg gewiesen von einem Wegweiser, der, verkehrte Welt, schon halb vom seinem Wirtsbaum aufgefressen ist, und hoffen zur Abwechslung nach Eigeligkeiten der taligen Schweiz. Eine davon scheint die Liebe der Eingewohnten zu ihren sattgrünen Wiesen zu sein, versuchen sie doch unbotmässige Bäche, die Risse in ihren Wiesen graben, kurzerhand zuzunähen. Eine andere ist abgefüllt in kleinste Milchkesseli aus Holz, Greyerzer Doppelrahm für den Kaffee, der darauf allergisch mit Fettaugen reagiert.

In Charmey stechen wir zum gestauten Lac de Montsalvens hinunter, während oben auf der stark befahrenen Hauptstrasse ein Alpabzug den Verkehr beruhigt. Eine stattliche Gruppe Harley Davidsonisten stiert auf die aufgebretzelten Kühe, haben noch nie so viele davon auf einem einmal gesehen, ein Höhepunkt der krachenden Pässefahrt.

Der Höhepunkt unseres Tages folgt mit der Restwasser-Jaunschlucht unterhalb des Staudammes. Auch wenn man sich gut vorstellen kann, wie die Wasser einst ungezügelt durch die Schlucht geschossen sind, schwänzeln heute die Forellen betulich in stillen blaugrünen Wassern nach Mückenlarven. Ganz geheuer scheint den Erbauern des Staudamms diese Idylle nicht zu sein, haben sie doch eine beängstigende Sollbruchstelle in den Damm eingebaut: Das Wasser steigt, steigt, steigt, drückt auf die bewegliche Wand, unterspült sie, hebt sie hoch und lässt sie kippen. Die Forellen fänden sich dann mit einigem Andern im Greyerzersee wieder.

Solch schwarze Gedanken inspirieren die dunklen, knapp überfrauhohen herben Tünnelchen, die durch die Jaunschlucht führen.

Den zweiten Höhepunkt ersteigen wir mit Greyerz. Wir haben hier übernachten gewollt, ist aber nicht. Alle Hotels sind komplett, das Dorf voller Menschen, zwei Kühe zum Anfassen sind auch da, argwöhnisch bewacht von Mustersennen, Schlagermusik wird auf der Bühne geprobt und wir verdrücken uns mit dem Bus ins nahe Bulle um eine Schlafstelle zu finden.
5. Tag: Greyerz–Les Paccots

Zurück mit dem frühen Zug nach Greyerz. Heute ist Sonntag, ein herbstlich schöner dazu. Das wird ein Volk geben auf dem Moléson. Sie werden in Heerscharen mit der Standseilbahn nach Plan-Francey auf 1500m fahren, die Felswände des Moléson massenbeklettern (von den Wanderern fachkundig durch die Ferngläser kommentiert) oder sich mit der Seilbahn gar auf 1900m liften lassen, um rund um den Berg wieder zur Standseilbahn zurück wandern zu dürfen, und zuletzt wird sich dieser ganze schöne Sonntag im Bergrestaurant bei Fondue und Bratwurst von den gewesenen Strapazen erholen. Kurz, es wird ein gelungener Tag werden.

Auch wir gehen in Greyerz vergnügt die heutigen 1000 Höhenmeter an. Es eilt nichts, Bratwürste werden sie im Bergrestaurant wohl genügend gebunkert haben. So geht es hinauf, hinauf, hinauf und hinauf und noch höher hinauf bis oben auf die Sonnenterasse zu den Vielen. Ein herrlicher Rundblick heute. Und die Bratwürsten reichen wirklich auch für uns.

Den Rest des Sonnentaglichts verplempern wir in Richtung Les Paccots beim in die Gegend gucken, Quellwasser trinken, potentiellen Waldbrand löschen und Käfern nachschauen. Was folgt ist Greyerzer. Erst serviert im Holzkessel, in einer lauchigen Milchsuppe, zu essen mit grossmäuligen Holzlöffeln, die nur schlürfend zu bedienen sind, dann im gusseisernen Caquelon mit Hörnli und Speck, wieder mit Holzlöffeln zu essen, nur fehlen uns die Pferdezähne um die klebrigen Hörnli aus der traditionsreichen Holzmulde zu nagen. Aber das Essen ist gut und so leisten wir gerne unseren Beitrag an die lokalen Schlürf- und Schmatzgewohnheiten.
6. Tag: Les Paccots–Vevey

Heute soll es regnen. Der Himmel blickt schon betrübt, der Wald riecht herbstlich, der ältliche Hundekot verkriecht sich vorsorglich im Pilzmantel. Heute ist unser letzter Wandertag, ein montäglich einsamer. Ausser einem Paar, das in den letzten Jahren die Schweiz auf dem Trans Swiss Trail in Etappen erwanderte und wie wir geniesst, zu sehen, was gelegentlich übersehen wird, sehen wir niemanden. Das tut nach dem turbulenten Sonntag gut.

Die Aussicht nebelt zu, macht das Hochmoor abgeschiedener als es ist, selbst der Skilift mittendrin wirkt geheimnisvoll, wenigsten was seine Baubewilligung anbelangt. Wir sind auf Les Pléiades angekommen, dem Allzweck-Hausberg von Vevey. Die kommenden 1000 Tiefenmeter ersparen wir uns mit Standseilbahn und Zügli.

Da nochmals die Sonne erscheint, überlassen wir uns bis Lausanne dem Dieseldampf-Schiff und lassen das UNESCO Welterbe Lavaux an uns vorüber ziehen. Generationen von Bauern haben hier eine einzigartige Weinberg-Terrassenlandschaft erzogen und vererbt. Ihre vorläufig letzte Generation erntet heute die süssesten aller Trauben, die begehrten und damit teueren Bauländler.

Dann regnet es.

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