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Veloland

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Nord-Süd-Route route-03
Nord-Süd-Route
Basel–Chiasso
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Aare-Route route-08
Aare-Route
Oberwald (Gletsch)–Koblenz
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Rhein-Route route-02
Rhein-Route
Andermatt–Basel
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Seen-Route route-09
Seen-Route
Montreux–Rorschach
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Mit wenig Höhenmetern von Basel über Luzern ins Berner Oberland

Mit wenig Höhenmetern von Basel über Luzern ins Berner Oberland

Schön als Einstieg ins „Veloland“ wäre sicher vor allem die „Rhein-Route“ gewesen, aber da ich sie schon mal gefahren habe, stellte ich deshalb einen Mix aus den Routen 2, 3, 8 und 9 zusammen. Wir wollten dabei möglichst wenige Steigungen fahren.
Mix-tour durchs Veloland

Nach meiner letztjährigen Drei-Tages-Tour durch das „Veloland Schweiz“ habe ich im Kollegenkreis einige Radtourer angesprochen, ob sie denn nicht Lust hätten, sich im Frühjahr 2006 anschließen zu wollen. Schließlich ist das Veloland-Konzept so gut, dass ich gerne weitere Radler auf den Geschmack bringen will. Übrig blieben letztlich Walter, Schorsch und ich (Hans-Peter), alle 48 Jahre alt und mit mäßiger Kondition versehen. Schön als Einstieg ins „Veloland“ wäre sicher vor allem die „Rhein-Route“ gewesen, aber da ich sie schon mal gefahren habe, stellte ich deshalb einen Mix aus den Routen 2, 3, 8 und 9 zusammen. Wir wollten dabei möglichst wenige Steigungen fahren. Daher entschieden wir uns auch dafür, von Basel nicht die direkte Strecke über die schroffen Höhen des Jura wählen. Stattdessen nahmen wir den Umweg entlang der flachen Routen an Hochrhein und Aare ins Programm auf.
1. Tag (14.06.06): Basel – Rheinfelden - Laufenburg

sonnig, ca. 30 Grad

60 km / 13:45 – 19:15 Uhr / reine Fahrtzeit 4 Std. 02 Min. / ca. 150 Höhenmeter

Nach der Zugfahrt von Köln aus starten wir vor dem Badischen Bahnhof in Basel am frühen Nachmittag (Bild 1). Schon seit einigen Tagen herrschen ja hochsommerliche Temperaturen und ich bin gespannt, wie es uns in der Hitze ergehen wird. Schorsch und ich sind eher die „cooleren“ Typen, Walter dagegen kann es kaum heiß genug sein. Um es vorweg zu sagen: Wir hatten praktisch die ganze Tour Walter-Wetter!

Es geht durch die schöne Basler Altstadt, am Jakob-Stadion vorbei und weiter durch die Grünanlagen. Bei der kurzen aber deutlichen Steigung direkt nach der Autobahnüberführung hat Schorsch einen kleinen Defekt an seiner Schaltung. Zum Glück kann er aber weiterfahren. In Muttenz haben wir dann gleich die Wahl zwischen mehreren Fahrradläden, um sein Velo inspizieren zu lassen. Sofort wird geholfen und zum Glück festgestellt, dass die Schaltung noch in Ordnung ist.

Die ersten zwei Stunden leisten wir uns einige kleine „Verfahrer“, weil wir noch nicht den richtigen Blick für die Beschilderung haben (passiert mir jedes Jahr wieder). Aber sechs Augen sehen mehr als zwei, so können mich Schorsch und Walter ein paar Mal rechtzeitig korrigieren.

Gemächlich geht es weiter bis Rheinfelden. Dort gönnen wir uns eine Pause im sehr hübschen Stadtkern. Die Kneipe hat Tische draußen im Schatten – ideal. Die ersten Panaché (Radler) werden geschluckt, dabei haben wir auch die Möglichkeit, einen Blick auf den Fernseher zu werfen. Schließlich ist Fußball-Weltmeisterschaft! Walter und ich sind hier die Interessierten, Schorsch begibt sich ins Abseits, auch bei der Getränkewahl – er trinkt Wasser. Hier bekommen wir mit, dass auch die Schweiz das WM-Fieber gepackt hat, schließlich ist ihre „Nati“ auch dabei. In allen Orten gibt es Möglichkeiten zum gemeinsamen Mitfiebern in Zelten oder Hinterzimmern oder auch draußen.

Frisch gestärkt geht es weiter, das Tagesziel Laufenburg ist noch 30 km entfernt und es ist schon nach 17:30 Uhr. Also legen wir endlich einen Zahn zu und erreichen die schöne Stadt nach gut eineinhalb Stunden (Bild 2).

Dort quartieren wir uns auf der deutschen Seite im schönen „Hotel Rebstock“ (direkt über dem Rhein gelegen) ein. Da wir alle unterschiedliche „Schlaftypen“ sind nehmen wir drei Einzelzimmer (zu je 47 Euro). Dies war auch an den folgenden Tagen immer so und überwiegend problemlos zu finden.

Abends schauen Walter und ich noch die zweite Halbzeit des WM-Spiels Deutschland-Polen in einer Kneipe ganz unten am Rhein. Dabei treiben wir den Alterdurchschnitt der Zuschauer deutlich nach oben. Das Bier ist billig – mittwochs ist dort immer 2-Euro-Tag. Entsprechend engagiert gehen wir zu Werke und waren gegen Mitternacht mindestens so erschöpft wie die Kicker...
2. Tag (15.06.): Laufenburg – Felsenau (Aare-Mündung) – Aarau - Unterentfelden

sonnig, ca. 32 Grad

79 km / 10:25 – 19:20 Uhr / reine Fahrtzeit 5 Std. 18 Min. / ca. 150 Höhenmeter

Es geht schon bei strahlendem Sommerwetter los. Die Strecke am Hochrhein ist schön zu fahren, lediglich ein Atomkraftwerk stört die Idylle. Immer wieder kommen wir an schönen kleinen Dorf-Freibädern vorbei, in der Schweiz kurz „Badi“ genannt. Auf unserer Tour sollten wir bei anhaltend hochsommerlichen Temperaturen mal eine Gelegenheit nutzen. Aber soweit ist es noch nicht. Heute ist viel Velo-Verkehr, auch hier ist ja Fronleichnam teilweise ein Feiertag. Die entgegenkommenden Radler grüßen alle freundlich und wir sie ebenso zurück – das Wetter hebt bei allen spürbar die Laune. Wir wechseln bei dem Weiler Felsenau auf die Aare-Route und fahren fortan nach Süden. An einem Thermometer in Villigen lesen wir um 13:15 Uhr glatte 32 Grad! Sonnencreme und Kopfbedeckung sorgen für ein Mindestmaß an Schutz. An der „Badi“ am Ortsrand gönnen wir uns eine Stärkung (Bild 3). Eine halbe Stunde später kommen wir in Brugg an und machen im hübschen Ortskern eine längere Rast.

Vor Aarau übersehen wir den entscheidenden Wegweiser zur Nord-Süd-Route und fahren zuerst ein Stück verkehrt. In der schönen Altstadt ist viel los, irgendeine Kapelle spielt auf. Es ist schon nach 17 Uhr und wir machen uns langsam auf Quartierssuche. Leider ist es im Raum Aarau mit halbwegs preisgünstigen Übernachtungsmöglichkeiten nicht weit her, so dass wir nur nach einiger Sucherei in Unterentfelden im Gasthof „Bären“ unterkommen. Dort kann man immerhin gut speisen und schön im Biergarten sitzen (Bild 4). Leider sind unsere Zimmer unterm Dach und trotz großer Ventilatoren hat es dort um Mitternacht noch locker 25 Grad.
3. Tag (16.06.06): Unterentfelden – Sursee – Sempach – Luzern - Stans

zuerst sonnig, später Schauer, ca. 26 Grad

78 km / 09:50 – 20:10 Uhr / reine Fahrtzeit 5 Std. 13 Min. / ca. 230 Höhenmeter

Wiederum ist es heiß. An der „Badi“ in Schöftland kommen lässt uns das kühle Nass noch kalt, da uns von Ortskundigen das Naturfreibad in Sempach empfohlen wurde. Weiter geht es den Suhrenbach entlang. Hier fährt es sich schön und ruhig auf sehr gutem Kiesweg kilometerlang dahin. Erst kurz vor Sursee wird es ab der Überquerung der Autobahn wieder unangenehm laut. Den schönen Stadtkern durchfahren wir nur, da wir endlich ins Wasser des Sempacher Sees wollen. Vorher geht es aber noch durch das ebenfalls sehr hübsche Sempach.

Erst etwa zwei Kilometer danach folgt das Naturfreibad. Ich kann es kaum glauben: Mitte Juni und die Wassertemperatur wird mit 23 Grad angegeben! Wir schwimmen ein wenig, legen uns danach noch fast zwei Stunden auf die Wiese und genießen das Sommerwetter (Bild 5).

Gegen 15 Uhr geht es weiter auf meist schönen, ruhigen Wegen nach Luzern. Durch Rothenburg führt die „Nord-Süd-Route“ allerdings etwa 2 km auf der Autostraße, hier ist Vorsicht geboten, obwohl man es hier schön bergab gerne richtig laufen lassen möchte. Um 16:30 Uhr kommen wir in Luzern an. Mittlerweile hat sich der Himmel zugezogen und es sieht sehr nach Gewitter aus. Von meiner Tour im letzten Jahr kenne ich noch das Restaurant „Reussbad“ kurz vor Beginn der Altstadt. Dort setzen wir uns in den schönen Biergarten und werden kurze Zeit später von einem heftigen Gewitterschauer nach drinnen getrieben. Zum Glück hört der Regen schon nach einer Viertelstunde wieder auf und wir setzen unsere Fahrt ins Zentrum von Luzern fort. Wir sind uns unschlüssig, ob wir noch weiterfahren oder die Tagesetappe in Luzern beenden wollen. Schorsch wird von Walter und mir überstimmt, also geht es weiter. Jedoch wollen wir hier – es ist schon bald 18 Uhr – schon telefonisch eine Unterkunft klar machen. Dazu waren doch einige Telefonate nötig, schließlich bekommen wir eine Zusage vom Hotel „Engel“ in Stans.

Bei der Ausfahrt aus Luzern (am Seeufer entlang) waren wir uns zeitweise nicht sicher, ob wir noch auf der richtigen Route sind, finden aber zum Glück am Stadtrand wieder dort hin. Die Wolken deuten auf weitere Schauer hin, also treten wir etwas stärker in die Pedale. Vor St. Niklausen geht es noch mal deutlich bergauf. Immer wieder hat man schöne Ausblicke auf den Vierwaldstätter See. Aber da der Himmel immer dunkler wird, haben wir für die schöne Gegend leider wenig übrig.

In Hergiswil schlägt Schorsch Wetter-Alarm und lotst uns schnell an den Straßenrand, wo wir unter einem großen Vordach Unterschlupf finden. Ich schlage gerade vor, noch einige hundert Meter weiter ins Ortszentrum zu fahren um den drohenden Schauer in einer Wirtschaft abzuwarten, als plötzlich vorne rechts eine Regenwand auftaucht und schon einige Sekunden später ein heftiger Platzregen mit Blitz und Donner herabkommt. Gut, dass wir mit Schorsch unsere persönliche Unwetterzentrale dabei haben!

Schon 15 Minuten später ist der Spuk wieder vorbei und es klart sogar etwas auf. Zwischen Hergiswil und Stansstadt quetschen sich Autobahn und Landstraße eng am See entlang. Schön, dass aber hier doch noch ein eigener Radweg direkt am Ufer verläuft, denn hier hat man einen besonders schönen Seeblick. Kurz vor 20 Uhr erreichen wir endlich Stans. Das schöne Hotel „Engel“ liegt mitten im hübschen Ortszentrum. Leider wird uns an der Rezeption mitgeteilt, dass mittlerweile versehentlich eines unserer Zimmer anderweitig vergeben wurde. Schade! Uns wird dort aber gerne weitergeholfen und die Übernachtung im Motel Stans-Süd arrangiert. Wir sind der netten „Engel“-Frau nicht böse und empfehlen das Hotel daher schon wegen der ruhigen Lage gerne weiter.

Nach weinigen Minuten kommen wir am Motel Stans-Süd an. Wie erwartet, handelt es sich um einen nüchternen Neubau. Naja, wenigstens sind die Zimmer sind in Ordnung und 85 Franken wollen wir dafür gerade noch ausgeben.

Am Abend geht es noch über die grüne Wiese zu einem nahe gelegenen Restaurant. Allerdings ist das ganze Areal doch eher für einen Zwischenstopp mit dem Auto angelegt und hat zusammen mit Tankstellen und dem Motel den Charme der leider üblich gewordenen amerkanisierten Ortsrandbebauung.
4. Tag (17.06.06): Stans – Sarnen – Giswil – (Zug) Brünigpass - Brienz

Zuerst stark bewölkt, später sonnig, schwül, ca. 27 Grad

45 km / 10 - 16 Uhr / reine Fahrtzeit 3 Std. 04 Min. / ca. 100 Höhenmeter

Von Stans fahren wir erst wieder 4 km zurück nach Stansstadt, noch mal sehr schön am Vierwaldstätter See vorbei (Bild 6). Dann biegen wir auf die „Seen-Route“ ab. Jetzt geht es den Alpnacher See entlang und weiter bis Sarnen, wo wir am schönen Marktplatz eine kurze Rast einlegen (Bild 7). Neben den üblichen Marktständen findet sich auch einer der Schweizer Flüchtlingshilfe. Dort esse ich einen Imbiß und leiste so einen kleinen finanziellen Beitrag zum Schweizer „Tag des Flüchtlings“ – gerne. Auch am Sarner See fahren wir auf ruhigen Straßen weiter. Am Ende des Sees geht es deutlich bergan.

Kurz vor Giswil haben wir einen guten Blick auf die Brünig-Passstrasse und stellen fest, dass wir uns die steigungsintensive Fahrt auf dieser verkehrsreichen Route nicht antun wollen. Also geht es zum Bahnhof nach Giswil. Leider sind mittlerweile sogar in der Schweiz die kleinen Bahnhöfe ganz ohne Personal und der Tarif-Aushang bot keinerlei Informationen zur der Wahl der passenden Tickets für unsere Räder. Die vom Automaten angebotenen Tickets zu je 15 Franken kommen uns für die kurze Fahrt zur Passhöhe sehr überteuert vor. Also wollen wir für die Räder im Zug nachlösen. Der Schaffner jedoch hält uns erstmal eine kleine Standpredigt darüber, dass doch schon seit Jahren bekannt sei, dass für ein Rad ein 50 %-Ticket zu lösen ist, maximal aber 15 Franken zu zahlen sind. Aber mit einem Augenzwinkern hilft er uns dann doch weiter findet eine salomonische Lösung. Die Bahn bekommt ihr Geld und wir unsere Tickets.

Auf der Brünig-Passhöhe auf 1000 m steigen wir aus. Hier herrscht geschäftiges Treiben in diversen Touristenläden. Daher lassen wir uns gleich unter starkem Einsatz unserer Bremsen nach unten rollen, es ist trotzdem noch rasant genug. Konzentriertes Fahren ist hier absolut notwendig!

Wir weichen von der „Seen-Route“ ab und fahren auf der ruhigen Landstraße weiter nach Brienz. Es ist noch relativ früh am Tag und viele Kilometer haben wir auch nicht gemacht, dennoch wollen wir hier unsere heutige Etappe beenden. Zuerst steuern wir die Jugendherberge an, dort wird aber erst um 17 Uhr die Rezeption wieder geöffnet. Also geht es zur Tourist-Information beim Bahnhof. Dort bekommen wir weitere bezahlbare Angebote. Letztlich entscheiden wir uns für das B+B „Rothorn“ in der Talstraße. Zuvor bestaunen wir aber eine Ankunft und Abfahrt der „Brienzer Rothorn-Bahn“. An unserer Unterkunft angekommen, wird Schorsch sogar in einem eigenen Häuschen im Garten einquartiert, ich bekomme noch ein Zimmer im Untergeschoß mit eigener Bibliothek, HiFi-Anlage und vor allem einem wunderschönen Blick direkt auf den Brienzersee!

Abends sind wir noch im Ort unterwegs und müssen dort anhand von Behelfsbrücken und neu errichteter Häuser feststellen, dass das Unwetter vom August letzten Jahres wirklich eine Katastrophe für Brienz und Umgebung gewesen sein muss.
5. Tag (18.06.06): Brienz – Giessbachfälle – Interlaken – (Zug) Spiez - Hondrich

Zuerst sonnig, später bedeckt und Schauer, ca. 25 Grad

21 km / 13:10 – 18:10 Uhr / reine Fahrtzeit 1 Std. 48 Min. / ca. 330 Höhenmeter

Während Schorsch und Walter schon mit der „Brienzer-Rothorn-Bahn“ unterwegs sind (Bild 8), fange ich erst an, gemütlich auf der Terasse zu frühstücken und genieße dabei den grandiosen Blick auf den Brienzersee und die Berge. Gerne möchte ich mich danach noch mal aufs Ohr legen, aber die fleißige Frau Jobin muss mein Zimmer schon für neue Gäste herrichten. Also setze ich mich auf die Bank vor dem Haus und kann mich dabei auch am Anblick der nahe am Haus vorbeifahrenden „Rothorn-Bahn“ erfreuen (Bild 9). Wir sind an diesem herrlichen Fleck wirklich mitten in der Bilderbuch-Schweiz angekommen!

Erst zur Mittagszeit machen wir uns zusammen auf die Weiterfahrt. Leider bringe ich mich heute gar nicht in Schwung, so dass ich den happigsten Anstieg der ganzen Tour zu den Giesbach-Waserfällen fast komplett das Rad schieben muss. Walter und Schorsch warten natürlich oben und wir kommen bald darauf an diesem echten Natur-Spektakel an (Bild 10). Die Anstrengung hat sich in jedem Fall gelohnt! Weiter geht es nach Iseltwald, dabei immer wieder kurz und steil auf und ab, ein Schild zeigt sogar 20 % Gefälle an! Selbst hier oben gibt es vor einem Hof einen Brunnen, an dem wir unsere Flaschen mit kühlem Wasser nachfüllen können. Das ist auch so eine schöne Einrichtung in der Eidgenossenschaft - fast in jedem kleineren Ort gibt es eine solche kostenlose Trinkwasserversorgung.

In Iseltwald, dem einzigen Dorf an der Südseite des Sees, machen wir Rast in der nett angelegter Natur-„Badi“ und nehmen einen Imbiss zu uns (Bild 11). Bei der Abfahrt von dort machen sich schon heftige Gewitterwolken am Himmel breit. Noch einmal geht es deutlich bergan, dann endlich nur noch abwärts nach Interlaken. Die Wolken werden immer dunkler und uns ist klar, dass es in wenigen Minuten sehr heftig regnen wird. Aus diesem aktuellen Anlass beenden wir unsere Tour schon hier und nicht erst in Spiez oder Thun. Nach 283 km ist damit unsere „Mix-Tour“ durchs Veloland zu Ende.

Am Bahnhof Interlaken-Ost besorgen wir uns Fahrkarten. Der Bahnhof hier ist mit genug Personal besetzt, so dass wir trotz des dort zu Ende gehenden Open-Air-Festivals und den Unmengen abreisenden Rockfans schnell bedient werden. Hier kann man die SBB nur loben!

Mit dem Zug fahren wir durch heftige Gewitterschauer weiter bis Spiez. Beim Ausstieg dort ist der Regen schon wieder vorbei. Schon in Interlaken hat Walter telefonisch eine Übernachtungsmöglichkeit in Hondrich organisiert – ohne uns aber zu verraten, dass die Anfahrt dorthin sehr schweißtreibend wird. Zum Abschluss geht es jetzt rund 4 km deutlich ansteigend hoch! Zum Glück bin ich wieder fit. Mit dem Hotel „Bärgsunne“ haben wir einen schönen Platz für unsere letzte Nacht gefunden.

Das war also wieder ein schöner Urlaub im „Veloland Schweiz“. Meinen beiden Mitfahrern hat es auch gefallen, obwohl sie vom teilweise stark zersiedelten Mittelland nicht so angetan waren. Dafür aber um so mehr vom Berner Oberland! Die nächste Reise möchte ich möglichst wieder auf einer Route bleiben - ein Thema allein reicht vollkommen. Vielleicht endlich die Nord-Süd-Route? Oder doch mal die ganze Aare entlang? Es gibt zum Glück noch viele Möglichkeiten!
Schön als Einstieg ins „Veloland“ wäre sicher vor allem die „Rhein-Route“ gewesen, aber da ich sie schon mal gefahren habe, stellte ich deshalb einen Mix aus den Routen 2, 3, 8 und 9 zusammen. Wir wollten dabei möglichst wenige Steigungen fahren.
Mix-tour durchs Veloland

Nach meiner letztjährigen Drei-Tages-Tour durch das „Veloland Schweiz“ habe ich im Kollegenkreis einige Radtourer angesprochen, ob sie denn nicht Lust hätten, sich im Frühjahr 2006 anschließen zu wollen. Schließlich ist das Veloland-Konzept so gut, dass ich gerne weitere Radler auf den Geschmack bringen will. Übrig blieben letztlich Walter, Schorsch und ich (Hans-Peter), alle 48 Jahre alt und mit mäßiger Kondition versehen. Schön als Einstieg ins „Veloland“ wäre sicher vor allem die „Rhein-Route“ gewesen, aber da ich sie schon mal gefahren habe, stellte ich deshalb einen Mix aus den Routen 2, 3, 8 und 9 zusammen. Wir wollten dabei möglichst wenige Steigungen fahren. Daher entschieden wir uns auch dafür, von Basel nicht die direkte Strecke über die schroffen Höhen des Jura wählen. Stattdessen nahmen wir den Umweg entlang der flachen Routen an Hochrhein und Aare ins Programm auf.
1. Tag (14.06.06): Basel – Rheinfelden - Laufenburg

sonnig, ca. 30 Grad

60 km / 13:45 – 19:15 Uhr / reine Fahrtzeit 4 Std. 02 Min. / ca. 150 Höhenmeter

Nach der Zugfahrt von Köln aus starten wir vor dem Badischen Bahnhof in Basel am frühen Nachmittag (Bild 1). Schon seit einigen Tagen herrschen ja hochsommerliche Temperaturen und ich bin gespannt, wie es uns in der Hitze ergehen wird. Schorsch und ich sind eher die „cooleren“ Typen, Walter dagegen kann es kaum heiß genug sein. Um es vorweg zu sagen: Wir hatten praktisch die ganze Tour Walter-Wetter!

Es geht durch die schöne Basler Altstadt, am Jakob-Stadion vorbei und weiter durch die Grünanlagen. Bei der kurzen aber deutlichen Steigung direkt nach der Autobahnüberführung hat Schorsch einen kleinen Defekt an seiner Schaltung. Zum Glück kann er aber weiterfahren. In Muttenz haben wir dann gleich die Wahl zwischen mehreren Fahrradläden, um sein Velo inspizieren zu lassen. Sofort wird geholfen und zum Glück festgestellt, dass die Schaltung noch in Ordnung ist.

Die ersten zwei Stunden leisten wir uns einige kleine „Verfahrer“, weil wir noch nicht den richtigen Blick für die Beschilderung haben (passiert mir jedes Jahr wieder). Aber sechs Augen sehen mehr als zwei, so können mich Schorsch und Walter ein paar Mal rechtzeitig korrigieren.

Gemächlich geht es weiter bis Rheinfelden. Dort gönnen wir uns eine Pause im sehr hübschen Stadtkern. Die Kneipe hat Tische draußen im Schatten – ideal. Die ersten Panaché (Radler) werden geschluckt, dabei haben wir auch die Möglichkeit, einen Blick auf den Fernseher zu werfen. Schließlich ist Fußball-Weltmeisterschaft! Walter und ich sind hier die Interessierten, Schorsch begibt sich ins Abseits, auch bei der Getränkewahl – er trinkt Wasser. Hier bekommen wir mit, dass auch die Schweiz das WM-Fieber gepackt hat, schließlich ist ihre „Nati“ auch dabei. In allen Orten gibt es Möglichkeiten zum gemeinsamen Mitfiebern in Zelten oder Hinterzimmern oder auch draußen.

Frisch gestärkt geht es weiter, das Tagesziel Laufenburg ist noch 30 km entfernt und es ist schon nach 17:30 Uhr. Also legen wir endlich einen Zahn zu und erreichen die schöne Stadt nach gut eineinhalb Stunden (Bild 2).

Dort quartieren wir uns auf der deutschen Seite im schönen „Hotel Rebstock“ (direkt über dem Rhein gelegen) ein. Da wir alle unterschiedliche „Schlaftypen“ sind nehmen wir drei Einzelzimmer (zu je 47 Euro). Dies war auch an den folgenden Tagen immer so und überwiegend problemlos zu finden.

Abends schauen Walter und ich noch die zweite Halbzeit des WM-Spiels Deutschland-Polen in einer Kneipe ganz unten am Rhein. Dabei treiben wir den Alterdurchschnitt der Zuschauer deutlich nach oben. Das Bier ist billig – mittwochs ist dort immer 2-Euro-Tag. Entsprechend engagiert gehen wir zu Werke und waren gegen Mitternacht mindestens so erschöpft wie die Kicker...
2. Tag (15.06.): Laufenburg – Felsenau (Aare-Mündung) – Aarau - Unterentfelden

sonnig, ca. 32 Grad

79 km / 10:25 – 19:20 Uhr / reine Fahrtzeit 5 Std. 18 Min. / ca. 150 Höhenmeter

Es geht schon bei strahlendem Sommerwetter los. Die Strecke am Hochrhein ist schön zu fahren, lediglich ein Atomkraftwerk stört die Idylle. Immer wieder kommen wir an schönen kleinen Dorf-Freibädern vorbei, in der Schweiz kurz „Badi“ genannt. Auf unserer Tour sollten wir bei anhaltend hochsommerlichen Temperaturen mal eine Gelegenheit nutzen. Aber soweit ist es noch nicht. Heute ist viel Velo-Verkehr, auch hier ist ja Fronleichnam teilweise ein Feiertag. Die entgegenkommenden Radler grüßen alle freundlich und wir sie ebenso zurück – das Wetter hebt bei allen spürbar die Laune. Wir wechseln bei dem Weiler Felsenau auf die Aare-Route und fahren fortan nach Süden. An einem Thermometer in Villigen lesen wir um 13:15 Uhr glatte 32 Grad! Sonnencreme und Kopfbedeckung sorgen für ein Mindestmaß an Schutz. An der „Badi“ am Ortsrand gönnen wir uns eine Stärkung (Bild 3). Eine halbe Stunde später kommen wir in Brugg an und machen im hübschen Ortskern eine längere Rast.

Vor Aarau übersehen wir den entscheidenden Wegweiser zur Nord-Süd-Route und fahren zuerst ein Stück verkehrt. In der schönen Altstadt ist viel los, irgendeine Kapelle spielt auf. Es ist schon nach 17 Uhr und wir machen uns langsam auf Quartierssuche. Leider ist es im Raum Aarau mit halbwegs preisgünstigen Übernachtungsmöglichkeiten nicht weit her, so dass wir nur nach einiger Sucherei in Unterentfelden im Gasthof „Bären“ unterkommen. Dort kann man immerhin gut speisen und schön im Biergarten sitzen (Bild 4). Leider sind unsere Zimmer unterm Dach und trotz großer Ventilatoren hat es dort um Mitternacht noch locker 25 Grad.
3. Tag (16.06.06): Unterentfelden – Sursee – Sempach – Luzern - Stans

zuerst sonnig, später Schauer, ca. 26 Grad

78 km / 09:50 – 20:10 Uhr / reine Fahrtzeit 5 Std. 13 Min. / ca. 230 Höhenmeter

Wiederum ist es heiß. An der „Badi“ in Schöftland kommen lässt uns das kühle Nass noch kalt, da uns von Ortskundigen das Naturfreibad in Sempach empfohlen wurde. Weiter geht es den Suhrenbach entlang. Hier fährt es sich schön und ruhig auf sehr gutem Kiesweg kilometerlang dahin. Erst kurz vor Sursee wird es ab der Überquerung der Autobahn wieder unangenehm laut. Den schönen Stadtkern durchfahren wir nur, da wir endlich ins Wasser des Sempacher Sees wollen. Vorher geht es aber noch durch das ebenfalls sehr hübsche Sempach.

Erst etwa zwei Kilometer danach folgt das Naturfreibad. Ich kann es kaum glauben: Mitte Juni und die Wassertemperatur wird mit 23 Grad angegeben! Wir schwimmen ein wenig, legen uns danach noch fast zwei Stunden auf die Wiese und genießen das Sommerwetter (Bild 5).

Gegen 15 Uhr geht es weiter auf meist schönen, ruhigen Wegen nach Luzern. Durch Rothenburg führt die „Nord-Süd-Route“ allerdings etwa 2 km auf der Autostraße, hier ist Vorsicht geboten, obwohl man es hier schön bergab gerne richtig laufen lassen möchte. Um 16:30 Uhr kommen wir in Luzern an. Mittlerweile hat sich der Himmel zugezogen und es sieht sehr nach Gewitter aus. Von meiner Tour im letzten Jahr kenne ich noch das Restaurant „Reussbad“ kurz vor Beginn der Altstadt. Dort setzen wir uns in den schönen Biergarten und werden kurze Zeit später von einem heftigen Gewitterschauer nach drinnen getrieben. Zum Glück hört der Regen schon nach einer Viertelstunde wieder auf und wir setzen unsere Fahrt ins Zentrum von Luzern fort. Wir sind uns unschlüssig, ob wir noch weiterfahren oder die Tagesetappe in Luzern beenden wollen. Schorsch wird von Walter und mir überstimmt, also geht es weiter. Jedoch wollen wir hier – es ist schon bald 18 Uhr – schon telefonisch eine Unterkunft klar machen. Dazu waren doch einige Telefonate nötig, schließlich bekommen wir eine Zusage vom Hotel „Engel“ in Stans.

Bei der Ausfahrt aus Luzern (am Seeufer entlang) waren wir uns zeitweise nicht sicher, ob wir noch auf der richtigen Route sind, finden aber zum Glück am Stadtrand wieder dort hin. Die Wolken deuten auf weitere Schauer hin, also treten wir etwas stärker in die Pedale. Vor St. Niklausen geht es noch mal deutlich bergauf. Immer wieder hat man schöne Ausblicke auf den Vierwaldstätter See. Aber da der Himmel immer dunkler wird, haben wir für die schöne Gegend leider wenig übrig.

In Hergiswil schlägt Schorsch Wetter-Alarm und lotst uns schnell an den Straßenrand, wo wir unter einem großen Vordach Unterschlupf finden. Ich schlage gerade vor, noch einige hundert Meter weiter ins Ortszentrum zu fahren um den drohenden Schauer in einer Wirtschaft abzuwarten, als plötzlich vorne rechts eine Regenwand auftaucht und schon einige Sekunden später ein heftiger Platzregen mit Blitz und Donner herabkommt. Gut, dass wir mit Schorsch unsere persönliche Unwetterzentrale dabei haben!

Schon 15 Minuten später ist der Spuk wieder vorbei und es klart sogar etwas auf. Zwischen Hergiswil und Stansstadt quetschen sich Autobahn und Landstraße eng am See entlang. Schön, dass aber hier doch noch ein eigener Radweg direkt am Ufer verläuft, denn hier hat man einen besonders schönen Seeblick. Kurz vor 20 Uhr erreichen wir endlich Stans. Das schöne Hotel „Engel“ liegt mitten im hübschen Ortszentrum. Leider wird uns an der Rezeption mitgeteilt, dass mittlerweile versehentlich eines unserer Zimmer anderweitig vergeben wurde. Schade! Uns wird dort aber gerne weitergeholfen und die Übernachtung im Motel Stans-Süd arrangiert. Wir sind der netten „Engel“-Frau nicht böse und empfehlen das Hotel daher schon wegen der ruhigen Lage gerne weiter.

Nach weinigen Minuten kommen wir am Motel Stans-Süd an. Wie erwartet, handelt es sich um einen nüchternen Neubau. Naja, wenigstens sind die Zimmer sind in Ordnung und 85 Franken wollen wir dafür gerade noch ausgeben.

Am Abend geht es noch über die grüne Wiese zu einem nahe gelegenen Restaurant. Allerdings ist das ganze Areal doch eher für einen Zwischenstopp mit dem Auto angelegt und hat zusammen mit Tankstellen und dem Motel den Charme der leider üblich gewordenen amerkanisierten Ortsrandbebauung.
4. Tag (17.06.06): Stans – Sarnen – Giswil – (Zug) Brünigpass - Brienz

Zuerst stark bewölkt, später sonnig, schwül, ca. 27 Grad

45 km / 10 - 16 Uhr / reine Fahrtzeit 3 Std. 04 Min. / ca. 100 Höhenmeter

Von Stans fahren wir erst wieder 4 km zurück nach Stansstadt, noch mal sehr schön am Vierwaldstätter See vorbei (Bild 6). Dann biegen wir auf die „Seen-Route“ ab. Jetzt geht es den Alpnacher See entlang und weiter bis Sarnen, wo wir am schönen Marktplatz eine kurze Rast einlegen (Bild 7). Neben den üblichen Marktständen findet sich auch einer der Schweizer Flüchtlingshilfe. Dort esse ich einen Imbiß und leiste so einen kleinen finanziellen Beitrag zum Schweizer „Tag des Flüchtlings“ – gerne. Auch am Sarner See fahren wir auf ruhigen Straßen weiter. Am Ende des Sees geht es deutlich bergan.

Kurz vor Giswil haben wir einen guten Blick auf die Brünig-Passstrasse und stellen fest, dass wir uns die steigungsintensive Fahrt auf dieser verkehrsreichen Route nicht antun wollen. Also geht es zum Bahnhof nach Giswil. Leider sind mittlerweile sogar in der Schweiz die kleinen Bahnhöfe ganz ohne Personal und der Tarif-Aushang bot keinerlei Informationen zur der Wahl der passenden Tickets für unsere Räder. Die vom Automaten angebotenen Tickets zu je 15 Franken kommen uns für die kurze Fahrt zur Passhöhe sehr überteuert vor. Also wollen wir für die Räder im Zug nachlösen. Der Schaffner jedoch hält uns erstmal eine kleine Standpredigt darüber, dass doch schon seit Jahren bekannt sei, dass für ein Rad ein 50 %-Ticket zu lösen ist, maximal aber 15 Franken zu zahlen sind. Aber mit einem Augenzwinkern hilft er uns dann doch weiter findet eine salomonische Lösung. Die Bahn bekommt ihr Geld und wir unsere Tickets.

Auf der Brünig-Passhöhe auf 1000 m steigen wir aus. Hier herrscht geschäftiges Treiben in diversen Touristenläden. Daher lassen wir uns gleich unter starkem Einsatz unserer Bremsen nach unten rollen, es ist trotzdem noch rasant genug. Konzentriertes Fahren ist hier absolut notwendig!

Wir weichen von der „Seen-Route“ ab und fahren auf der ruhigen Landstraße weiter nach Brienz. Es ist noch relativ früh am Tag und viele Kilometer haben wir auch nicht gemacht, dennoch wollen wir hier unsere heutige Etappe beenden. Zuerst steuern wir die Jugendherberge an, dort wird aber erst um 17 Uhr die Rezeption wieder geöffnet. Also geht es zur Tourist-Information beim Bahnhof. Dort bekommen wir weitere bezahlbare Angebote. Letztlich entscheiden wir uns für das B+B „Rothorn“ in der Talstraße. Zuvor bestaunen wir aber eine Ankunft und Abfahrt der „Brienzer Rothorn-Bahn“. An unserer Unterkunft angekommen, wird Schorsch sogar in einem eigenen Häuschen im Garten einquartiert, ich bekomme noch ein Zimmer im Untergeschoß mit eigener Bibliothek, HiFi-Anlage und vor allem einem wunderschönen Blick direkt auf den Brienzersee!

Abends sind wir noch im Ort unterwegs und müssen dort anhand von Behelfsbrücken und neu errichteter Häuser feststellen, dass das Unwetter vom August letzten Jahres wirklich eine Katastrophe für Brienz und Umgebung gewesen sein muss.
5. Tag (18.06.06): Brienz – Giessbachfälle – Interlaken – (Zug) Spiez - Hondrich

Zuerst sonnig, später bedeckt und Schauer, ca. 25 Grad

21 km / 13:10 – 18:10 Uhr / reine Fahrtzeit 1 Std. 48 Min. / ca. 330 Höhenmeter

Während Schorsch und Walter schon mit der „Brienzer-Rothorn-Bahn“ unterwegs sind (Bild 8), fange ich erst an, gemütlich auf der Terasse zu frühstücken und genieße dabei den grandiosen Blick auf den Brienzersee und die Berge. Gerne möchte ich mich danach noch mal aufs Ohr legen, aber die fleißige Frau Jobin muss mein Zimmer schon für neue Gäste herrichten. Also setze ich mich auf die Bank vor dem Haus und kann mich dabei auch am Anblick der nahe am Haus vorbeifahrenden „Rothorn-Bahn“ erfreuen (Bild 9). Wir sind an diesem herrlichen Fleck wirklich mitten in der Bilderbuch-Schweiz angekommen!

Erst zur Mittagszeit machen wir uns zusammen auf die Weiterfahrt. Leider bringe ich mich heute gar nicht in Schwung, so dass ich den happigsten Anstieg der ganzen Tour zu den Giesbach-Waserfällen fast komplett das Rad schieben muss. Walter und Schorsch warten natürlich oben und wir kommen bald darauf an diesem echten Natur-Spektakel an (Bild 10). Die Anstrengung hat sich in jedem Fall gelohnt! Weiter geht es nach Iseltwald, dabei immer wieder kurz und steil auf und ab, ein Schild zeigt sogar 20 % Gefälle an! Selbst hier oben gibt es vor einem Hof einen Brunnen, an dem wir unsere Flaschen mit kühlem Wasser nachfüllen können. Das ist auch so eine schöne Einrichtung in der Eidgenossenschaft - fast in jedem kleineren Ort gibt es eine solche kostenlose Trinkwasserversorgung.

In Iseltwald, dem einzigen Dorf an der Südseite des Sees, machen wir Rast in der nett angelegter Natur-„Badi“ und nehmen einen Imbiss zu uns (Bild 11). Bei der Abfahrt von dort machen sich schon heftige Gewitterwolken am Himmel breit. Noch einmal geht es deutlich bergan, dann endlich nur noch abwärts nach Interlaken. Die Wolken werden immer dunkler und uns ist klar, dass es in wenigen Minuten sehr heftig regnen wird. Aus diesem aktuellen Anlass beenden wir unsere Tour schon hier und nicht erst in Spiez oder Thun. Nach 283 km ist damit unsere „Mix-Tour“ durchs Veloland zu Ende.

Am Bahnhof Interlaken-Ost besorgen wir uns Fahrkarten. Der Bahnhof hier ist mit genug Personal besetzt, so dass wir trotz des dort zu Ende gehenden Open-Air-Festivals und den Unmengen abreisenden Rockfans schnell bedient werden. Hier kann man die SBB nur loben!

Mit dem Zug fahren wir durch heftige Gewitterschauer weiter bis Spiez. Beim Ausstieg dort ist der Regen schon wieder vorbei. Schon in Interlaken hat Walter telefonisch eine Übernachtungsmöglichkeit in Hondrich organisiert – ohne uns aber zu verraten, dass die Anfahrt dorthin sehr schweißtreibend wird. Zum Abschluss geht es jetzt rund 4 km deutlich ansteigend hoch! Zum Glück bin ich wieder fit. Mit dem Hotel „Bärgsunne“ haben wir einen schönen Platz für unsere letzte Nacht gefunden.

Das war also wieder ein schöner Urlaub im „Veloland Schweiz“. Meinen beiden Mitfahrern hat es auch gefallen, obwohl sie vom teilweise stark zersiedelten Mittelland nicht so angetan waren. Dafür aber um so mehr vom Berner Oberland! Die nächste Reise möchte ich möglichst wieder auf einer Route bleiben - ein Thema allein reicht vollkommen. Vielleicht endlich die Nord-Süd-Route? Oder doch mal die ganze Aare entlang? Es gibt zum Glück noch viele Möglichkeiten!

Dieser Reisebericht liegt an:

Nord-Süd-Route route-03
Nord-Süd-Route
Basel–Chiasso
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Aare-Route route-08
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Oberwald (Gletsch)–Koblenz
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Rhein-Route route-02
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Andermatt–Basel
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Seen-Route route-09
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Montreux–Rorschach
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